SPACs: Was Berater über den Boom wissen müssen

Investmentfonds Mariam Misakian Top News

Der Börsen-Hype um Special Purpose Acquisition Companies (SPACs) schwappt gerade von den USA nach Europa. Die leeren Börsenmäntel versprechen Anlegern hohe Renditen, die allerdings die Katze im Sack kaufen. Über diese Chancen und Risiken sollten Berater ihre Kunden aufklären.

Spacs, Bild: Adobe Stock/ iQoncept

Spacs (Special Purpose Acquisition Companies) sind Mantelfirmen ohne Inhalt, die an die Börse gehen – das ist nun auch in Deutschland ein Trend. Bild: Adobe Stock/ iQoncept

Promis aus der Sport- oder der Musikindustrie spielen in der Welt der Geldanlage selten eine tragende Rolle. Doch seit einigen Monaten geht an der Wall Street ein Trend durch die Decke, bei dem das anders ist: Die Rede ist von Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPACs. Zu den überzeugten Anhängern des Anlagevehikels gehören etwa der milliardenschwere US-Rapper Jay-Z, der Basketballspieler Shaquille O’Neal, RnB-Sängerin Ciara Wilson und Tennislegende Serena Williams. Sie mischen teilweise als Investoren, teilweise sogar in Vorständen mit – was das Interesse der Privatanleger an dem Mega-Börsentrend zusätzlich anfachen dürfte. In den USA wird inzwischen sogar über eine Blase spekuliert.

Dabei sind SPACs nichts Neues, sie erleben aber derzeit eine Renaissance. Bei dem Anlagevehikel handelt es sich um eine leere Firmenhülle. Ihr Zweck besteht ausschließlich darin, eines oder mehrere aussichtsreiche Unternehmen zu übernehmen. Die Mantelgesellschaft selbst hat weder ein Geschäftsmodell noch produziert sie etwas. Die Initiatoren gehen mit dem SPAC an die Börse und sammeln das Kapital der Anleger ein, noch bevor diese wissen, welches Unternehmen die Mantelfirma irgendwann übernehmen wird.

Für eine Übernahme haben SPAC-Initiatoren in der Regel 24 Monate Zeit. Schaffen sie es in dieser Zeit nicht, ein geeignetes Übernahmeziel zu finden, müssen sie den SPAC liquidieren und die Anleger bekommen ihr Geld zurück – abzüglich Gebühren. Auch wenn die Investoren auf der Hauptversammlung zu mehr als 50 Prozent gegen das Übernahmeziel stimmen, kommt der Deal nicht zustande. Jeder der mit der Fusion nicht einverstanden ist, kann sein Geld noch vor der Verschmelzung zum Startkurs zurückverlangen – Investoren haben also ein gewisses Mitbestimmungsrecht.

Der Boom kommt nach Europa

Weltweit haben allein in diesem Jahr 350 Mantelgesellschaften das Börsenparkett bestiegen, zeigen Zahlen des Datenanbieters Refinitiv (Stand: Mitte Mai 2021). Dabei konnten sie bei Investoren rund 100 Milliarden US-Dollar einsammeln. In den USA sind SPACs längst auch bei Privatanlegern beliebt. Berater könnte bald auch hierzulande ein wachsendes Anlegerinteresse an dem Anlagevehikel erwarten, denn seit diesem Jahr wandert der Megatrend nach Europa.

Die ersten SPACs haben inzwischen an den Börsen in Amsterdam und Frankfurt debütiert. Hierzulande machte im Februar der deutsche Wagniskapitalgeber Klaus Hommels den Anfang mit seinem Lakestar SPAC I, der sich Technologiefirmen als Übernahmeziel gesetzt hat. Auch Ex-Commerzbank-Chef Martin Blessing ist seit März mit einem SPAC an der Börse. Sein European FinTech IPO Company sucht – wie der Name schon vermuten lässt – nach einem Fintech-Unternehmen aus Europa oder Israel. Auch LVMH-Gründer Bernard Arnault, Ex-Unicredit-Chef und Immobilieninvestor Rolf Elgeti und Rocket-Internet-Mitbegründer Oliver Samwer mischen als Initiatoren auf dem SPAC-Markt mit.

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