Solvenzanalyse: BdV sieht Hälfte der Lebensversicherer in Gefahr

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Dennoch: Die düstere Prognose des BdV ist nur eine Sichtweise. Zudem stößt die Solvenzanalyse, die der Verbraucherschützerverein zusammen mit der Zielke Research GmbH erstellt, regelmäßig auf harsche Kritik. Auch inhaltliche Fehler und Unterstellungen werden den Autoren von Seiten der Lebensversicherer vorgeworfen. Da verwundert es nicht, dass die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) noch heute auf den erneuten Rundumschlag gegen die deutschen Lebensversicherer reagiert hat. „Die Übergangsmaßnahmen sind ein elementarer Bestandteil des seit 2016 gültigen Aufsichtsregimes Solvency II, wodurch es für jedes Unternehmen genau eine offizielle Solvency-II-Kennzahl gibt. Berechnungen sogenannter ‚reiner Solvenzquoten‘ ohne Berücksichtigung der Übergangsmaßnahmen sind vor diesem Hintergrund aufsichtsrechtlich keine validen Kennzahlen und können sogar zu Fehlinterpretationen führen“, schreibt der DAV-Vorsitzende Dr. Herbert Schneidemann in einem Statement.

Schneidemann ist zugleich der Vorstandsvorsitzende der Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G. Sein Unternehmen kommt auf eine ausgewiesene Solvenzquote von 234 Prozent. Bei den beiden BdV-Quoten sind es hingegen nur 70 und 23 Prozent. „Aus aktuarieller Sicht darf die Verwendung der Übergangsmaßnahmen nicht als Zeichen von Schwäche verstanden werden. Sie ist vielmehr das Ergebnis einer sorgfältigen Risikoanalyse und Unternehmensstrategie. Die bewusste Entscheidung für die Nutzung von Übergangsmaßnahmen ermöglicht eine laufende und ressourcenschonende Verbesserung der Risikotragfähigkeit, die dem langfristigen Charakter des Lebensversicherungsgeschäfts entspricht. Sie ist im Sinne eines kollektiven Verbraucherschutzes zu begrüßen. Ein prozyklisches Verhalten und die Umsetzung von Maßnahmen, zum Beispiel auf Seiten der Kapitalanlage, zum Nachteil der Versicherten können dadurch vermieden werden“, erklärt Schneidemann.

Insgesamt hält er die Marktsituation der deutschen Lebensversicherer weiterhin für sehr stabil. Dazu hätten die Unternehmen bereits seit 2011 durch den Aufbau der Zinszusatzreserve beugetragen. Allerdings werde die Bafin auch genau beobachten, wie gut die Versicherer ihrer existenziellen Aufgabe bis 2032 nachkommen und gegebenenfalls im Rahmen ihrer Kompetenz regulierend eingreifen, mahnt Schneidemann. Dies sei aus aktuarieller Sicht auch absolut notwendig, um die langfristige Stabilität des gesamten Versicherungswesens auf dem heutigen hohen Niveau gerade im Interesse der Kundinnen und Kunden weiterhin sicherzustellen.

Die aktuelle Solvenzanalyse des BdV mit den Einzelergebnissen aller Lebensversicher kann hier heruntergeladen werden.

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