Solardach-Pflicht: Worauf sich Makler jetzt einstellen müssen

Anne Mareile Walter Versicherungen Berater

Der Bund will die Installation von Solar- und Photovoltaikanlagen für Neubauten per Gesetz vorschreiben. Das könnte auch den Beratungsalltag verändern. Über den Versicherungsschutz für die ressourcensparenden Anlagen sprach Procontra mit dem Makler Jens Bornhöft.

Solar Bild: Adobe Stock/tong2530

Mit der gesetzlichen Verpflichtung zur Installation von Solar- und Photovoltaikanlagen kommen auf Makler neue Herausforderungen zu. Der Versicherungsschutz für die alternativen Formen zur Energiegewinnung ist komplex. Bild: Adobe Stock/tong2530

Der Trend zum nachhaltigen Wohnen ist ungebrochen – immer mehr Eigenheimbesitzer machen sich die Kraft des Sonnenlichts zunutze und sparen damit Strom- und Heizkosten. Ab 23. Juni könnte die Option zur Pflicht werden: Dann soll dem Kabinett Medienberichten zufolge ein Gesetzesentwurf vorgelegt werden, der bei Neubauten und „größeren Dachsanierungen“ die Installation von Solarthermie und Photovoltaikanlagen vorschreibt. Das neue Gesetz könnte auch den Alltag der Berater verändern – die Nachfrage zur Absicherung der Anlagen wird steigen. Procontra hat mit dem Photovoltaik-Makler Jens Bornhöft über die Lage auf dem Versicherungsmarkt gesprochen. 

Photovoltaik erfordert komplexe Absicherung

„Es ist ein großer Unterschied, ob man eine Solar- oder eine Photovoltaikanlage versichert“, erklärt er. Dabei sei die Absicherung einer Photovoltaikanlage, die mit Hilfe von Sonnenlicht Strom erzeugt, wesentlich komplexer. Mit der Installation einer solchen Anlage verpflichten sich die Besitzer, den Netzbetreiber über diese Installation zu informieren. Nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) muss der Netzbetreiber den Strom aus den Photovoltaikanlagen ins öffentliche Netz einspeisen und bezahlt dafür an den privaten Betreiber eine sogenannte Einspeisevergütung. Dabei ist die Photovoltaikanlage nur wirtschaftlich, wenn auch ein Ertrag über die Einspeisevergütung erzielt wird. Muss die Anlage beispielsweise nach einem Brand erneuert werden, können die Verluste durch das Fehlen der Einspeisevergütung groß werden. Daher kämen Besitzer solcher Anlagen um eine Ertragsausfallversicherung nicht herum, sagt Bornhöft. Außerdem sei eine Allgefahrenversicherung sinnvoll, die Schäden an den technischen Vorrichtungen der Anlagen, beispielsweise an Kabeln, Akkus oder Wechselstromleitungen, abdeckt. 

Für versicherungstechnische Herausforderungen sorgt auch die in dem Gesetzesentwurf des Bundes geplante Nachrüstungspflicht bei Dachsanierungen. Denn durch die fest installierte Photovoltaikanlage steigt der Wert der Immobilie – damit besteht die Gefahr der Unterversicherung. Bornhöft rät, den Versicherungsschutz rechtzeitig anzupassen, da die Gebäudeversicherung im Schadensfall sonst nicht vollständig leiste.

Auch die Anlage selbst sollte vor Schäden abgesichert werden, da die Anschaffungskosten ziemlich ins Gewicht fallen können: So fallen laut Daten der HTW Berlin im Mittel für eine Solaranlage mit einer Nennleistung von 20 Kilowatt-Peak im Mittel Kosten in Höhe von 26.000 Euro (Montage inklusive) an. Einige Versicherer sichern die kostspieligen Anlagen automatisch über die Gebäudeversicherung ab, bei anderen lässt sich die Absicherung per Extra-Baustein in die Gebäudeversicherung integrieren. Im Rahmen der Gebäudeversicherung sind allerdings meist nur Schäden durch Feuer, Sturm, Wasser und Hagel abgedeckt. “Das ist nicht zu empfehlen”, sagt Bornhöft. Denn die wesentlich häufiger auftretenden Schäden an technischen Vorrichtungen, wie beispielsweise an Wechselstromleitungen oder Akkus, seien darin nicht enthalten. Viele Versicherer bieten eigenständige Photovoltaikversicherungen an – losgelöst von der klassischen Wohngebäudeversicherung. Diese leisten auch bei Diebstahl, Überspannung im Stromnetz oder Marderbiss. „Ein zusätzlicher Haftpflichtschutz in der Photovoltaik-Versicherung kann ebenfalls sinnvoll sein.“ Die häufigsten Schäden nach Bornhöfts Erfahrung: Überspannung, Blitz oder Feuer sowie gebrochene Glasplatten durch Sturm und herabfallende Äste. 

Zusatzbeiträge seien "Geldschneiderei"

Bei der Installation von Solarthermie ist die Versicherungssituation eine andere. Diese Anlagen werden zur Unterstützung der Warmwasseraufbereitung und Heizung benutzt und wandeln Sonnenlicht in Wärme um. Die Anlagen kosten zwischen 8.000 und 9.000 Euro. Sie seien vergleichsweise simpel konstruiert, so dass keine teuren Schäden zu erwarten seien, sagt Bornhöft. Eine Absicherung über die normale Gebäudeversicherung reiche daher aus. „Es können in der Regel nur Schäden durch Feuer, Sturm oder Hagel entstehen“, sagt der Makler. Würden Versicherer für Solarmodule zusätzliche Beiträge erheben, sei dies „Geldschneiderei“. Schließlich seien die Anlagen ein Teil der Immobilie.