Selbstständige begrüßen Pflicht zur Altersvorsorge

Martin Thaler Berater Versicherungen

Die Corona-Krise hat insbesondere Selbstständige finanziell hart getroffen, was auch Auswirkungen auf deren Altersvorsorge hat. Der Einführung einer entsprechenden Pflicht zur Vorsorge zeigt sich ein großer Teil auch deshalb aufgeschlossen gegenüber.

Altersvorsorgepflicht Bild: Adobe Stock/guukaa

Ein Großteil der Selbstständigen spricht sich laut einer Umfrage für eine Altersvorsorgepflicht aus. Bild: Adobe Stock/guukaa

Das Thema, eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige einzuführen, kann mittlerweile mit einigem Recht als alter Hut bezeichnet werden. Immer wieder hatte sich die Politik das Thema auf die Agenda gesetzt – auch im aktuellen Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD heißt es: „Um den sozialen Schutz von Selbstständigen zu verbessern, wollen wir eine gründer-freundlich ausgestaltete Altersvorsorgepflicht für alle Selbstständigen einführen, die nicht bereits anderweitig obligatorisch (z. B. in berufsständischen Versorgungswerken) abgesichert sind.“  

Passiert ist hingegen nichts. Statt wie vorgesehen im Frühjahr dieses Jahres einen Gesetzesentwurf zu präsentieren, vertagte sich die Bundesregierung erneut – wohl auch, um die von der Corona-Krise besonders gebeutelten Selbstständigen nicht zusätzlich zu belasten, vermutete Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Gründer und Selbstständigen (VGSD) im Gespräch mit procontra.

Schwer von Pandemie betroffen

Dabei scheint das Thema so akut wie lange nicht. Laut einer Yougov-Studie, die der Versicherer Ergo in Auftrag gegeben hat, sind Selbstständige von der Corona-Krise hart getroffen worden. 61 Prozent der rund 500 Befragten gaben an, wirtschaftlich von den Auswirkungen der Pandemie betroffen zu sein, jeder fünfte ist sogar von der Insolvenz bedroht.  

Um die finanziellen Engpässe auszugleichen, greifen einige Selbstständige in ihre Rücklagen für den Ruhestand. Neun Prozent erklärten, ihre Rücklagen in der Corona-Zeit angezapft zu haben. Noch alarmierender: Knapp die Hälfte (46 Prozent) erklärte, in der Pandemie weniger bzw. gar kein Geld für die eigene Altersvorsorge zurückgelegt zu haben.  

Entsprechend groß ist die Angst vor Altersarmut. Die Hälfte der Befragten fürchtet, im Alter nicht genug Geld zur Verfügung zu haben. Entsprechend hoch ist die Zustimmung zu der geplanten Altersvorsorgepflicht: 46 Prozent der Befragten gaben an, eine solche Maßnahme zu unterstützen.  

Bei vielen Parteien steht die Altersvorsorgepflicht tatsächlich wieder in den Wahlprogrammen. Während beispielsweise die SPD die Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung integrieren will, möchte die CDU den Selbstständigen die Wahl zwischen gesetzlicher Rentenversicherung und anderen „insolvenzsicheren und zugriffsgeschützten“ Vorsorgearten lassen.

Ergo fordert freie Wahl der Altersvorsorge

Für eine freie Wahl der Altersvorsorge plädiert auch der Umfragen-Auftraggeber Ergo. „Ein staatliches Standard-Produkt passt nicht zu den unterschiedlichen Anforderungen der Befragten an ihre Altersvorsorge. Wir brauchen daher eine Pflicht zur Absicherung, kombiniert mit der individuellen Wahl der Vorsorge, um jedem gerecht zu werden“, erklärte Michael Fauser, Vorstandsvorsitzender der Ergo Vorsorge Lebensversicherung.  

Wichtig scheint den meisten Selbstständigen dabei das Thema Sicherheit. 64 Prozent der Befragten nannte die Sicherheit ihrer Rente als Priorität. 44 Prozent ist darüber hinaus Flexibilität in der Auszahlphase wichtig, 38 Prozent in der Sparphase. Knapp ein Drittel nannte höhere Renditen, beispielsweise durch Investments am Kapitalmarkt, als besonders wichtig.