Schüler-BU: Stark eingeschränkter Finanztest

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Top News

Der jüngste BU-Test von Finanztest erntet wieder Kritik. Die brandet erneut auf nach der nun erfolgten Untersuchung zur BU-Absicherung für Schüler. Ein Makler und BU-Sachverständiger will die Warentester zur Haftung für ihre Urteile zwingen.

Marktmacht und Auftritt der Stiftung Warentest haben großen Einfluss auf Leser-Entscheidungen zum Versicherungsabschluss, was eine Haftung begründen könnte, sagt BU-Sachverständiger Bert Heidekamp. Bild: Pohl

Marktmacht und Auftritt der Stiftung Warentest haben großen Einfluss auf Leser-Entscheidungen zum Versicherungsabschluss, was eine Haftung begründen könnte, sagt BU-Sachverständiger Bert Heidekamp. Bild: Pohl

Alle zwei Jahre untersucht die Stiftung Warentest Tarife von Berufsunfähigkeits-Versicherungen, regelmäßig hagelt es dafür Kritik. Zuletzt bekamen, veröffentlicht in der Mai-Ausgabe von Finanztest, 35 Angebote von 71 BU­-Policen die Bestnote (sehr gut).

Die Testmethodik war so willkürlich wie in den Vorjahren. Kritik kam erwartungsgemäß auch aus dem Lager der spezialisierten Makler. Matthias Helberg schreibt in einem Blog-Beitrag: „Viele Kriterien wurden erneut nicht berücksichtigt oder für den Leser nicht nachvollziehbar dargestellt.“

Aus großem BU-Test Schüler-Angebote ausgekoppelt

Aus dem Mai-Test hat die Stiftung Warentest nun BU-Angebote für Schüler ab zehn Jahren ausgekoppelt, veröffentlicht in der Juni-Ausgabe von Finanztest. Ergebnis: Sehr guten Schutz gebe es bei 13 Gesellschaften. Allerdings wurden nur Gesellschaften berücksichtigt, die bereits im „großen“ BU-Test nach den dortigen Kriterien sehr gut abgeschnitten hatten, preiswert waren und nun ihren Schutz bereits für Kinder ab zehn Jahren anbieten.

Versichert sei Berufsunfähigkeit ab der Schulzeit bis zur Rente, auch in Elternzeit oder ohne Berufstätigkeit, heißt es bei Finanztest. Der Modellkunde ist 15 Jahre alt und besucht als Schüler die zehnte Klasse einer Gesamtschule. Die vertraglich vereinbarte Monatsrente beträgt im Leistungsfall 1.000 Euro. Der Vertrag läuft bis zum 67. Lebensjahr.

Allerdings fehlen maßgebliche Anbieter wie LV 1871, Condor und LVM, so dass allenfalls ein lückenhafter Marktüberblick zustande kam. Interessant: Steht die Bezeichnung „Schüler“ im Vertrag, bleibt diese Bezeichnung in der Regel über die gesamte Vertragslaufzeit dort stehen, schreibt Finanztest. Wird der Kunde zum Beispiel mit 50 berufsunfähig, prüft der Versicherer, ob er im dann ausgeübten Beruf nicht mehr arbeiten kann. Wichtig sei daher eine Nachversicherungsgarantie, da für Schüler anfangs höchstens 1.000 bis 1.500 Euro Monatsrente vereinbart werden könnten.

Was ein BU-Sachverständiger davon hält

„Erhebliche Mängel an der Grundlage, den notwendigen Ausführungen und der Anbieterauswahl“, so bewertet Versicherungsmakler Bert Heidekamp, zugleich Analyst sowie geprüfter und zertifizierter Sachverständiger für Berufsunfähigkeits-, Unfall- und Pflegeversicherungen, den Finanztest zur Schüler-BU kürzlich in einem Branchendienst.

Bei einigen Kriterien für eine Schüler-BU wie Nachversicherungsgarantien versagt die Stiftung Warentest in Gänze, so Heidekamp. „Es muss schon differenziert werden, ob die künftige Berufsgruppe oder die zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses dann gilt und welche Einschränkungen oder Voraussetzungen bei der Ausübung der Option enthalten sind,“ stellt Heidekamp auf Nachfrage von procontra klar und damit die Finanztest-Aussage vom „ewigen Schüler“ in Frage. „Nur einen Ausschnitt zu bewerten, dies könne die Grundlage für eine Entscheidung verfälschen, insbesondere wenn auf Nachteile nicht hingewiesen wird“, warnt Heidekamp den Leser.

Seite 1: Gefahren bei intransparenter und lückenhafter Testmethodik
Seite 2: Wie Leser Finanztest in die Haftung nehmen sollten