PKV: Diese Trends beeinflussen das Geschäft

Florian Burghardt Berater Versicherungen

Rekordprämien durch Beitragserhöhungen
Im Jahr 2020 dürfte, laut Assekurata, das Beitragsplus in der PKV etwa 1,8 Milliarden Euro betragen. Im Zehn-Jahres-Durchschnitt liegt der Zuwachs nur bei knapp einer Milliarde Euro. Für 2021 wird sogar ein Rekordplus von 2,5 Milliarden Euro erwartet. Dies komme allerdings nicht durch Neukunden zustande, sondern ganz überwiegend durch Beitragserhöhungen im Bestand, heißt es. Diese deutlichen BAP gibt es aber nicht nur in der Krankenvollversicherung, sondern auch in der privaten Pflegepflichtversicherung (PPV). Diese ist vor allem bedingt durch das PSG II, welches mehr Menschen den Zugang zu Pflegeleistungen ermöglicht. Die Bedeutung der Gesetzesreform und der daraus folgenden BAP zeigt der Anteil der PPV an den gesamten PKV-Beitragseinnahmen: Dieser stieg von 6,4 Prozent in 2018 auf voraussichtlich 9,8 Prozent in 2020. Ein Zuwachs um fast die Hälfte, nachdem der Anteil der PPV in den letzten zehn Jahren beinahe gleichgeblieben war.

Steigende Leistungsausgaben
Während die Leistungsausgaben der PKV-Anbieter in der Vollversicherung moderat um 2,9 Prozent anstiegen und in der Zusatzversicherung sogar um 1,9 Prozent zurückgingen, stiegen sie in der Pflegezusatzversicherung um 23,9 Prozent und in der staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung („Pflege-Bahr“) sogar um 64,2 Prozent an. Hintergrund ist auch hier das PSG II. In der Krankentagegeldversicherung stand ein Plus von 11,4 Prozent. Dies führen die Analysten auf erhöhte Krankheitstage durch die Corona-Pandemie zurück. Die durchschnittliche Schadenquote liege hier bei 90,4 Prozent (2019: 80,4 Prozent). Beim Krankenhaustagegeld hingegen stand ein Rückgang um 10,0 Prozent zu Buche, wohl weil viele geplante Krankenhausaufenthalte aufgrund der Pandemie verschoben wurden. Insgesamt wird der Zuwachs bei den Leistungsausgaben aller PKV-Anbieter auf 2,1 Prozent geschätzt.

14 Prozent nutzen Tarifwechseloptionen
Einer Umfrage der Schwesterfirma Assekurata Solutions zufolge haben 14 Prozent der Vollversicherten im Jahr 2020 entweder ihren PKV-Tarif gewechselt oder etwas an der Höhe ihrer jährlichen Selbstbeteiligung geändert. Zwei von drei Wechslern haben sich dabei von ihrem Vermittler beraten lassen, weitere 20 Prozent direkt von ihrem Versicherer.

PKV-Zusatzgeschäft boomt weiter
Nicht nur die bKV gilt als Zukunftsmarkt. Auch andere Teilsparten der PKV finden, anders als die Vollversicherung, großen Anklang bei der Bevölkerung. Allen voran die Zahnzusatzversicherungen. Ihre Anzahl stieg im Jahr 2020 schätzungsweise um 0,5 Millionen Verträge auf insgesamt 16,9 Millionen. Seit dem Jahr 2010 (12,2 Millionen Verträge) kamen 4,7 Millionen Verträge hinzu. Die ambulanten Zusatztarife stiegen um 1,2 Prozent auf 8,2 Millionen Stück und die stationären um 1,6 Prozent auf 6,3 Millionen.

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