Muss der Makler auch Direktversicherungen berücksichtigen?

Gastkommentar Berater Top News von Stephan Michaelis

Muss ein Makler im Beratungsgespräch auch Direktversicherer berücksichtigen? Und falls nein – wie muss er dies gegenüber dem Kunden kenntlich machen? Ein Urteil sorgte hier zuletzt für Wirbel, da es die Beratungspflichten des Maklers überspannt. Rechtsanwalt Stephan Michaelis kommentiert den Fall.

Stephan Michaelis, Bild: Kanzlei Michaelis

Stephan Michaelis, Fachanwalt für Versicherungsrecht, Bild: Kanzlei Michaelis

Hat das Landgericht Konstanz im Urteil vom 21.01.2021 (Az. Me 4 O 90/19) wirklich Recht? Ein Versicherungsmakler hatte bei einer Beratung für den Versicherungsschutz des Wohnwagens zur Vollkaskoversicherung keine Direktversicherer berücksichtigt.

Aufgrund der preislichen Angebote hatte sich der Kunde dann nur für eine Teilkaskoversicherung entschieden. Der dann eingetretene Versicherungsfall wäre aber nur über die Vollkaskoversicherung gedeckt gewesen. Nun argumentiert der Kunde, dass er bei der günstigen Prämie des Direktversicherers die Vollkasko genommen hätte. Der Makler habe ihn aber nicht auf diese günstige Möglichkeit hingewiesen.

Das LG Konstanz hatte den Versicherungsmakler zum Schadenersatz des (nicht versicherten) Vollkaskoschadens verurteilt. Nach der richterlichen Einschätzung hätte der Versicherungsmakler bei der Beratung darauf hinweisen müssen, dass er keine Direktversicherer in seine Beratungsgrundlage (vgl. § 60 VVG) einbezieht. Es sei auch nicht ausreichend, dass dieser Hinweis nur im Maklervertrag gestanden habe.

Regelung unbedingt besprechen

Tipp: Um auf Nummer sicher zu gehen kann ich jedem Versicherungsmakler*in nur empfehlen, eine solche Regelung ausdrücklich im Rahmen der Beratungsdokumentation bei der Beratung mit dem Kunden zu besprechen und zu dokumentieren. So jedenfalls auch die Vorstellung des Landgerichts Konstanz.

Aus meiner Sicht überspannt das Gericht die Beratungspflichten des Versicherungsmaklers. Es ist meines Erachtens richtig und ausreichend, wenn der Versicherungsmakler schon in seinem Versicherungsmaklervertrag deutlich und hervorgehoben darauf hinweist, dass er keine Direktversicherer in seine Beratungsgrundlage einbezieht und nur Produktgeber einbezieht, die eine übliche Courtage zahlen.