Mensch oder Maschine – wer gewinnt beim Verkauf von Eigentumswohnungen?

Gastkommentar Sachwerte von Helen Lindner

Die Corona-Pandemie hat in der Digitalwüste Deutschland digitale Oasen entstehen lassen. Doch werden sie das Pandemie-Ende überstehen? Und wo bleibt dabei der Mensch? Helen Lindner, Head of Residential Development Germany bei JLL, hat sich hierzu Gedanken gemacht.

Helen Lindner, Bild JLL

Helen Lindner, Head of Residential Development Germany bei JLL Bild: JLL

Deutschland ist eine Digitalwüste. Das ist oft reklamiert worden. Zu Recht. Dennoch treibt die Pandemie auch in der Wüste so manche Digitalisierungsblüte. Denn Corona wirkt wie ein Brandbeschleuniger auf die große gesellschaftliche Frage: Wie viel Digitalisierung kann, darf und wird die Beziehung zwischen Menschen prägen? Das gilt generell im Blick auf alle Aktivitäten. Und speziell auch in der Immobilienbranche beim Verkauf von Eigentumswohnungen zum Beispiel.

Bereits vor Corona wurden in diesem Segment schon viele Prozesse digital abgebildet. Bei der Beratung in Form von Videogesprächen, Wohnungsbesichtigungen live bei Facebook oder auch bei weltweiten Online-Kunden-Events. Beim Verkauf umfassen digitale Prozesse etwa datenbasiertes Pricing, virtuelle Bemusterungen oder 3D-Modelle. Der Einsatz digitaler Tools wurde in der Pandemie lediglich intensiviert.

Nach der Pandemie, wenn der Kontakt von Mensch zu Mensch wieder möglich und der Wunsch nach echter Nähe größer denn je sein wird, ist doch die viel wichtigere Frage: Soll ein Algorithmus den gesamten Prozess des Eigentumswohnungskaufs abbilden? Nein, natürlich nicht. Denn bei der Vermarktung von Produkten, die für unser Leben essenziell sind, wird der Mensch immer entscheidend bleiben – ganz gleich wie fortgeschritten der Digitalisierungsgrad sein mag. Das gilt besonders für Dienstleistungen rund um die Immobilie.

Der Kauf einer Immobilie ist eine Lebensentscheidung, die tief in die Gefühlswelt eingreift: Fühle ich mich in der Umgebung und in den Räumen wohl? Nur ein menschlicher Sparringspartner kann diese emotionale Entscheidung verstehen und – allen verfügbaren digitalen Tools zum Trotz – einfühlsam die entscheidende Beratung leisten. Die menschliche Dienstleistung im Beratungsgeschäft wird deswegen niemals gänzlich an die Künstliche Intelligenz übergeben werden – anders als es in anderen Branchen der Fall sein wird oder heute schon ist.