Lebensversicherung: So weit liegen die Solvenzquoten auseinander

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Wie es ohne Übergangsmaßnahmen aussieht

Ohne Maßnahmen, also in der harten Marktanalyse, fiel die Bedeckung Ende 2020 auf 203,9 Prozent und damit um rund 45 Prozentpunkte gegenüber 2019. Ganz oben platzierten sich Dialog mit 811,6 Prozent und Europa mit 807,6 Prozent. Die geringsten Werte verzeichnen die Landeslebenshilfe und Süddeutsche mit je null Prozent, VRK mit 2,8 Prozent sowie die Öffentliche Oldenburg mit 10,4 Prozent Bedeckung.

Zur Erklärung: Die SCR-Quote gibt in einem simulierten Szenario das Verhältnis der Eigenmittel eines Versicherers zu seinen Verpflichtungen gegenüber den Leistungsempfängern wieder. Nach Vorgabe der Aufsichtsbehörde sollte die Quote immer bei mindestens 100 Prozent liegen. Unter diesen Voraussetzungen hat eine Gesellschaft ausreichend Eigenmittel, um auch unter extremen Entwicklungen alle Verpflichtungen der Solvency II-Anforderungen zu erfüllen.

Wer besonders gut abgeschnitten hat

Fürs Neugeschäft unbedenklich sind aus diesem Blickwinkel bis auf 17 Gesellschaften alle anderen Anbieter. Neben Dialog und Europa ragen von den Gesellschaften mit erheblichem Maklervertrieb auch heraus: Ergo Vorsorge (577 Prozent), LV 1871 (435 Prozent), Continentale (431 Prozent), Swiss Life (357 Prozent), Nürnberger (316 Prozent), Alte Leipziger (300 Prozent), Dortmunder (300 Prozent), Interrisk (284 Prozent), Barmenia (262 Prozent), Neue Bayerische Beamten (241 Prozent) und Condor (234 Prozent).

Laut Map-Report verfehlen aktuell 17 Lebensversicherer die 100 Prozent-Marke, die von der Aufsicht vorgegeben ist, und damit fünf mehr als Ende 2019. „Von Insolvenz sind sie damit aber nicht bedroht, denn es mangelt ihnen nicht an Eigenmitteln, sondern an Risikotragfähigkeit“, erklärt Klages. Gemessen an ihrer aktuellen Bestandsmischung verfügten sie jedoch momentan nicht über ausreichend Kapital. Bei der BaFin stehen daher rund 20 Anbieter unter besonderer Beobachtung.

Neben den Bedeckungsquoten enthält die Auswertung auch Übersichten zu den verdienten Beitragseinnahmen gemäß SFCR-Berichten. Demnach wurden in der Lebensversicherung 2020 insgesamt 98,65 Milliarden Euro Bruttobeiträge verdient - 0,5 Prozent mehr als 2019. Dabei verpassten 29 Gesellschaften höhere Beitragseinnahmen, während 29 andere Versicherer ein Plus zwischen drei und über 80 Prozent hinlegten. Markanten Zuwachs schaffte die R+V, Nr. 2 des Marktes, mit 17,6 Prozent mehr Beitragseinnahmen, während Marktführer Allianz 3,5 Prozent einbüßte.

LV-Check von procontra hilft Maklern auch bei Einordnung

In der Regel müssen Makler bei der Marktrecherche selbst den Überblick über die wichtigsten Kennziffern gewinnen, die in den Geschäftsberichten verstreut sind. Hier hilft der „LV-Check“ von der procontra-Redaktion. Er enthält jeweils über 50 Bilanzkennzahlen des letzten Geschäftsjahres und liefert ausführliche Informationen und Analysen rund um die Finanzkraft und Geschäftsentwicklung. Der LV-Check 2021 erscheint im Herbst. Leser können sich hier vormerken lassen (Kostenpunkt: rund 49 Euro).

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