Lebensversicherung: So weit liegen die Solvenzquoten auseinander

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Der Marktbeobachter Map-Report hat die jüngsten Solvenzangaben der Lebensversicherer für 2020 bewertet. Warum ein Vergleich kaum möglich ist und welche LV-Anbieter derzeit unbedenklich fürs Neugeschäft sind.

Im Gesamtmarkt Leben hat sich die Solvenzquote leicht negativ entwickelt, sagt Reinhard Klages, Analyst des Map-Report. Bild: Map-Report

Im Gesamtmarkt Leben hat sich die Solvenzquote leicht negativ entwickelt, sagt Reinhard Klages, Analyst des Map-Report. Bild: Map-Report

Die Finanzstabilität eines Lebensversicherers ist heute für Makler ein wichtiges Auswahlkriterium, wenn auch bei weitem nicht das einzige. Die Solvabilitätsquoten sind unter dem Solvency II-Regime noch wichtiger geworden. Allerdings sind den Versicherern Übergangsmaßnahmen erlaubt. Insofern ergibt sich kein einheitliches Bild der Branche, wie die neue Marktuntersuchung „Solvabilität im Vergleich 2011 bis 2020“ (Map-Report 919) zeigt.

Die Solvabilitätsquoten werden sowohl mit Volatilitätsanpassung (VA) und Übergangsmaßnahmen (ÜM; aufsichtsrechtlich relevant), als auch in der „Basisversion“ ohne jegliche Hilfsmaßnahmen abgebildet. Die Anzahl der Gesellschaften schwankt dabei von Kennzahl zu Kennzahl, weil nicht alle Unternehmen die jeweils berücksichtigten Hilfen anwendeten. 71 Anbieter hatten die Standardformel zur SCR-Berechnung genutzt und zehn Anbieter ein internes Modell.

Quote ist nicht gleich Quote

„Je nachdem, wie die Quote ermittelt wurde, kann das Ergebnis leicht um mehrere hundert Prozent abweichen“, warnt Analyst Reinhard Klages. Der Report trägt den verschiedenen Berechnungsformeln jedoch Rechnung. Wichtigstes Ergebnis: Im Gesamtmarkt Leben hat sich die Solvenzquote (SCR-Quote) als anrechenbare Eigenmittel der Branche im Verhältnis zum SCR der Branche inklusive Übergangsmaßnahmen negativ entwickelt und beläuft sich auf 381,2 Prozent. Im Vergleich zum Jahresende 2019 ist die Kennzahl damit rund 41 Prozentpunkte gefallen. In diesem Durchschnittswert nicht enthalten sind Lebensversicherer, die auf Übergangsmaßnahmen verzichtet hatten.

Die Spannweite zwischen den einzelnen Anbietern ist dabei noch immer sehr breit. Ganz oben platzieren sich Victoria mit 727,6 Prozent, LV1871 (711,6 Prozent), LVM (702,2 Prozent) sowie Swiss Life (681,4 Prozent), die über dem Siebenfachen der geforderten Bedeckung liegen. Die niedrigsten Quoten veröffentlichen die VRK (179,5 Prozent) und DEVK Eisenbahn (186,1 Prozent).

Wie in den Vorjahren haben die Übergangshilfen, die im Jahr 2032 auslaufen, den Solvenzquoten deutlichen Auftrieb gegeben, maßgeblich beeinflusst durch die Wirkung der Übergangsmaßnahme bei den versicherungstechnischen Rückstellungen. Vielfach beträgt der Unterschied zwischen der Basisquote (ohne VA und/oder ÜM) und dem aufsichtsrechtlichen Nachweis mehr als 200 Prozentpunkte. „Nach Abzug der VA und ÜM fallen die SCR-Quoten spürbar geringer aus“, berichtet Klages.

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