Lebensversicherung: „Allen Unternehmen wäre mit einer Provisions- und Kostenbegrenzung gedient"

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Konkret gebe es marktschwache Lebensversicherer, die an Vermittler hohe Provisionen ausloben müssten, um überhaupt Vertragszuwächse erzielen zu können, beschreibt Weinmann. Diese seien teilweise auch von Vergleichsportalen abhängig, die maximale Provisionsinteressen verträten. Ein Spiel, dass aus Weinmanns Sicht vor dem Hintergrund nachlassender Solvabilitätsquoten nicht ewig so weitergehen könne. Die demographische Entwicklung kann überdies den Provisionskrieg weiter vorantreiben, weil Renten länger gezahlt werden müssen und weniger potenzielle Neukunden nachkommen. „Allen Unternehmen wäre mit einer Provisions- und Kostenbegrenzung gedient“, findet Weinmann.

Er wolle allerdings kein Vermittler-Bashing betreiben, sagte der Wirtschaftswissenschaftler heute auf procontra-Nachfrage. "Grundsätzlich geht es mir weniger um die Provisionen als vielmehr um die Kosten. Ich erkenne durchaus die Vermittlerleistung an und sehe die Hauptverantwortung in den Unternehmen und nicht bei dem einzelnen Vermittler."

Außerdem sei nun die Politik gefordert, eine komplexe Lösung zu finden. Sie dürfe sich nicht ins Abseits stellen, indem sie die Anbieter ungestört gewähren lässt. „Scheitert die Riester-Rente, dann ist die Akzeptanz für die gesamte Lebensversicherung in der Bevölkerung gefährdet“, schreibt der Wirtschaftswissenschaftler in seinem Fachbeitrag. Im Falle eines solchen Negativ-Szenarios würden beispielsweise auch institutionelle Investitionen durch die Versicherer gegen den Klimawandel geringer ausfallen.  

Deutschland bereit für aktienbasierte private Altersvorsorge

Im Hinblick auf zukunftsfähige Formen der Altersvorsorge findet Weinmann, dass der Staat nicht selbst mit einem Staatsfonds wirtschaften, sondern vielmehr einen Rahmen vorgeben sollte, innerhalb dessen sich die Akteure bewegen könnten. In Deutschland würde derzeit aber speziell in der Lebensversicherung zu viel aus dem Rahmen fallen.

Vorschläge, wie etwa einen kleinen Teil des Beitrags zur gesetzlichen Rentenversicherung in eine Aktienrente fließen zu lassen, dürften die deutschen Wähler nicht überzeugen. Für vorstellbar hält Weinmann dagegen eine ergänzende Altersvorsorge aller Bevölkerungsschichten mit Aktien. Nach der verkorksten Situation im Zinsbereich erscheine ihm Deutschland bereit für ein aktienbasierte private Altersvorsorge.

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