Lebensversicherung: „Allen Unternehmen wäre mit einer Provisions- und Kostenbegrenzung gedient"

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Wenn die Riester-Rente endgültig scheitert, wird die gesamte LV-Branche großen Schaden nehmen, glaubt Professor Dr. Hermann Weinmann von der HWG Ludwigshafen. Alle Politiker seien nun in der Verantwortung, vor allem bei der Regulierung der Kosten.

Mit einer Provisions- und Kostenbegrenzung in der Lebensversicherung wäre allen Unternehmen gedient, findet Professor Dr. Hermann Weinmann von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Bild: HWG Ludwigshafen

Mit einer Provisions- und Kostenbegrenzung in der Lebensversicherung wäre allen Unternehmen gedient, findet Professor Dr. Hermann Weinmann von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Bild: HWG Ludwigshafen

Über die Zukunft der Riester-Rente wird derzeit viel diskutiert – vor allem deshalb, weil das Verhalten der Politiker unverständlich erscheint. Damit die Lebensversicherer die Riester-Rente weiterhin als Neugeschäft anbieten können, müsste man in Berlin die 100-prozentige Garantie der eingezahlten Beiträge lockern. Das haben Verbände bereits vielfach gefordert. Versicherer zeigen sich zudem unzufrieden mit der Umgangsweise der politischen Führung mit dem Thema Riester.

Sollte die Riester-Rente tatsächlich scheitern, so würde hierzulande deutlich mehr kaputtgehen als „nur“ die staatlich geförderte Altersvorsorge. Das findet Professor Dr. Hermann Weinmann vom Institut für Finanzwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. An was für einem wichtigen Scheidweg sich die Lebensversicherung aktuell befindet, hat der Betriebswirtschaftler nun für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift für Versicherungswesen (ZfV) in einem Arbeitspapier zusammengefasst.

„Dilettantische Umsetzung“

Darin nimmt Weinmann vor allem die Politiker in die Verantwortung, ganz speziell auch die Vertreter der Opposition. Diese sollten nicht immer neue Teilkonzepte für die Riester-Rente entwerfen, sondern vielmehr Vorschläge für die festgefahrene Situation unterbreiten. Alle Politiker hätten Verantwortung für das System, an dem es, aus Sicht des Professors, vor allem einen zentralen Missstand zu beseitigen gibt: Zu hohe Kosten für Vertrieb und Verwaltung. „Wenn Jahr für Jahr fünfzehn bis fünfundzwanzig Prozent der Versicherten-Beiträge für Betriebskosten anfallen, wie bei einigen Lebensversicherern, dann bedarf dies der Diskussion“, schreibt Weinmann.

Zwar habe die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in den vergangenen Jahren die Notwendigkeit eines Provisionsdeckels in der Lebensversicherung mit Berechnungen belegt und quasi um eine Begrenzung der Abschlussprovisionen gebettelt. Die Koalitionsparteien seien aber unfähig gewesen, sich zu einigen und letztendlich habe die Wirecard-Affäre die Bafin mundtot gemacht. Das Problem sei damit – und erst recht nicht mit einem Provisionsdeckel-Kompromiss für die Restschuldversicherung – aber nicht aus der Welt geschafft, findet Weinmann. „Die Idee hinter der Riester-Rente war richtig, die Umsetzung im Laufe der Jahre dilettantisch.“ Gegenüber procontra erklärte Weinmann heute: "Man hätte sehr viel früher auf die Kapitalanlageproblematik, die damit verbundene Garantieproblematik und die Kostenproblematik reagieren können."

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