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Zinszusatzreserve wirkt, neue Garantiegeneration betroffen

Ein zweiter fester Block der jährlichen Analyse ist die Entwicklung der Zinszusatzreserve (ZZR). Fazit: Sie wirkt und entlastet die Anbieter, stellt aber weiterhin eine große Herausforderung dar. Die ökonomische Entlastung wird deutlich, wenn man den durchschnittlichen Garantiezins im Bestand von 2,63 Prozent betrachtet. Dank der Zinszusatzreserve konnte dieser Zinssatz bereits auf 1,59 Prozent gesenkt bzw. ausfinanziert werden. Das nimmt enormen Druck von den Anbietern.

Dennoch sank der Referenzzins für die ZZR im Vorjahr nochmal deutlich von 1,92 auf 1,73 Prozent. Damit muss auch erstmals die Garantiegeneration von 1,75 Prozent (2012 bis 2015) nachfinanziert werden. Bleibt der Zins unverändert, fallen 2024 und 2028 auch die nächsten beiden Garantiegenerationen von 1,25 bzw. 0,9 Prozent. Der Finanzierungsdruck steigt weiter und wird den Analysten zufolge bis 2027 noch anhalten – 130 Milliarden Euro (aktuell 87 Mrd. €) wird die ZZR dann betragen.

Die ZZR entlastet, die Kapitalanlagerenditen gehen aber weiter zurück. Zur Finanzierung der ZZR müssen nach wie vor Bewertungsreserven aufgelöst werden. Das wird auch in Zukunft der Fall bleiben. Diese sind mit höheren Zinskupons ausgestattet, die in der Neuanlage nicht erreicht werden können. Die laufende Durchschnittsverzinsung geht infolge der zinsarmen Neuanlage also weiter zurück. Zuletzt von 3,08 Prozent (2019) auf 2,7 Prozent in 2020.

Die Situation wird auch durch Betrachtung der Ergebnisstruktur verdeutlicht. Hier spielt das Risikoergebnis mittlerweile eine dominante Rolle für den Rohüberschuss. 8,2 Prozent des Rohüberschusses in Relation zu den gebuchten Bruttoprämien stammen aus dem Risikoergebnis, während die Kapitalanlage hier auf 4,6 Prozent zurückging. Die Angaben gelten als 5-Jahresschnitt von 2015 bis 2019. Zum Vergleich: Im Zeitraum von 2010 bis 2014 lag dieser Schnitt noch bei 7,2 Prozent (Risikoergebnis) und 8,9 Prozent (Kapitalanlage).

Ausblick leicht negativ

Den Ausblick für die LV-Branche taxierte Assekurata bei „leicht negativ“. Faktoren dafür sind das weiter niedrige Zinsniveau, ZZR-Belastung auf den Rohüberschuss, Kapitalbedarf nach Solvency-II und auch die ungewisse politische Zukunft mit Blick auf die Bundestagswahl. Positiv hingegen wiegen, dass die Branche trotz Corona recht stabil im Neugeschäft blieb und eine Stornowelle ausblieb, das Spar- und Anlageverhalten der Verbraucher positiv stimmt und der leichte Zinsanstieg zu Jahresbeginn etwas Luft bei der ZZR und Solvency-II verschafft, auch wenn von einer Zinswende noch keine Rede sein kann.

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