Kryptowährungen: „Härtere Regulierung auch für Vermittler interessant“

Investmentfonds Digital von Marilena Piesker

Kryptowährungen sind ein aufstrebender Markt, jedoch bislang kaum reguliert. Timo Emden, Blockchain-Experte und Gründer des Analysehauses Emden Research erklärt, welche Gesetze bereits gelten und worauf sich Vermittler einstellen sollten.

Timo Emden. Bild: Emden Research

Timo Emden, Blockchain-Experte und Gründer des Analysehauses Emden Research, Bild: Emden Research

procontra: Herr Emden, wie ist der Handel mit Kryptowährungen in Deutschland geregelt?

Emden: Kryptowährungen und besonders etwaige Finanzprodukte sind im Vergleich zu anderen Assetklassen hierzulande noch nicht sonderlich stark reguliert. Trotzdem gilt die deutsche Börsenaufsicht BaFin international als Vorreiter – sie war eine der ersten, die in den weitestgehend unregulierten Krypto-Markt eingegriffen hat. Ein wichtiger Vorstoß war das Geldwäschegesetz aus dem vergangenen Jahr. Das neue Gesetz richtet sich an Unternehmen, die digitale Währungen verwahren, speichern oder übertragen. Alle Finanzdienstleister, die eine oder mehrere dieser Dienstleistungen erbringen, brauchen hierfür künftig eine Erlaubnis der BaFin. Das soll Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung auf dem deutschen Krypto-Markt verhindern.

procontra: Könnte die BaFin künftig noch strikter vorgehen?

Emden: Ich denke schon. Wenn Kryptowährungen als Finanzprodukt künftig auch für die breite Bevölkerung infrage kommen sollen, müssen sie stärker reguliert werden. Das heißt zum Beispiel, dass die Volatilität, also die starken Preisschwankungen, gezügelt werden müssen. Das ist bisher in Deutschland nicht möglich, da die Finanzaufsicht bisher noch nicht so weit ist. Schließlich beobachten wir am deutschen Markt auch noch keine ETFs auf Kryptowährungen. Immerhin tritt im Juli dieses Jahres ein neues Gesetz in Kraft, dass zumindest institutionellen Fonds den Weg ebnet. Finanzexperten rechnen damit, dass das neue Gesetz zusätzliche Investitionen in den Krypto-Markt und vor allem auch in Finanzprodukte wie Krypto-Fonds binden wird.

procontra: Inwiefern könnten Berater von einer strengeren Regulierung von Kryptowährungen profitieren?

Emden: Solange wir keine vernünftigen regulatorischen Standards haben, werden nur Profis, institutionelle Anleger oder sehr mutige Kleinanleger den Einstieg ins Krypto-Geschäft wagen. Einfache Verbraucher profitieren von harten Gesetzen, weil sie so besser Krypto-Assets auswählen und vor allem vergleichen können. Das ist natürlich auch für Vermittler und Berater interessant, denn so können sie Finanzprodukte auf Kryptowährungen besser vermitteln.

procontra: Der Schutz der Privatanleger ist aber nicht der einzige Grund, warum Behörden und Währungshüter eingreifen.

Emden: Nein. Gerade der Staat und seine Zentralbanken wollen Kryptowährungen eher klein halten. Für sie stellt ein hoher Umlauf der digitalen Münzen durchaus eine Gefahr oder eine Konkurrenz zu ihren eigenen Währungen dar. Das Risiko, die Kontrolle über Zahlungssysteme zu verlieren, ist real. Deswegen arbeiten viele von ihnen mittlerweile auch an eigenen digitalen Währungen.