Kfz-Versicherung: Ältere Kunden scheuen Vertragswechsel

Martin Thaler Berater Zielgruppenansprache

Durch einen Wechsel der Kfz-Versicherung lasse sich viel Geld sparen, rechnet das Verbraucherportal Finanztip vor – dennoch komme insbesondere für ältere Menschen ein Wechsel häufig nicht infrage. Allein auf das Einsparpotenzial zu schauen, kann jedoch ernste Folgen nach sie ziehen.

Senioren Bild: Pixabay/besnopile

Ältere Menschen denken über einen Wechsel ihrer Kfz-Versicherung wesentlich seltener nach als Jüngere. Bild: Pixabay/besnopile

Ältere Menschen halten es mit Verträgen offenbar wie mit der Ehe: Schluss ist erst, wenn der Tod einen scheidet, beziehungsweise das Auto in der Garage eingemottet wird. Laut einer Studie des Verbraucherportals Finanztip wechseln Angehörige der Generation 50+ Strom, Handy- und Versicherungsverträge viel zu selten – und zahlen deshalb drauf. Insgesamt ließen sich durch Vertragswechsel bis zu 460 Euro im Jahr sparen, rechnet Finanztip vor.  

Während das größte Einsparpotenzial bei Handy- und Stromverträgen liegt, hatten sich die Finanztip-Autoren auch das Wechselverhalten bei Kfz-Versicherungen angeschaut. Erkenntnis: 40 Prozent der über 50-Jährigen fassen ihren derzeitigen Kfz-Tarif nicht an – aus Prinzip. Laut Finanztip ließe sich mit einem Wechsel aber durchaus sparen: „In unserer Beispielrechnung sparten wir im Schnitt bis zu 50 Euro im Jahr durch den Wechsel in einen preiswerteren Tarif. Vor dem Hintergrund, dass Versicherungen mit dem Thema Alter sehr unterschiedlich umgehen und auch Typ- und Regionalklassen jedes Jahr neu berechnet werden, sollten Versicherte ab 50 jedes Jahr Tarife vergleichen“, meint Finanztip-Chef Hermann-Josef Tenhagen.

Ganz so einfach ist es aber nicht: Zwar kann sich ein Wechsel finanziell durchaus lohnen – insbesondere zur Wechselsaison im Herbst überbieten sich die Versicherer mit Rabatten und Angeboten. Allerdings sollte wie so häufig der Preis nicht der alleinige Faktor für einen Wechsel sein, sonst droht unter Umständen ein böses Erwachen, wie ein Blick in den aktuellen Jahresbericht des Ombudsmanns verrät.  

Laut Wilhelm Schluckebier reagierten auch im vergangenen Jahr viele Kunden irritiert bis verärgert, dass bestehende Sondereinstufungen vom neuen Kfz-Versicherer nicht übernommen werden. Gleiches gilt beim Rabattschutz: Wird ein Kunde bei seinem alten Versicherer aufgrund eines vereinbarten Rabattretters nach einem Unfall nicht in eine niedrigere Schadensfreiheitsklasse heruntergestuft, kann es vorkommen, dass der neue Versicherer den Kunden aufgrund des zurückliegenden Schadens niedriger eingruppiert – der im alten Vertrag vereinbarte Rabattretter wird hier nicht anerkannt.  

Genauer Blick ins Bedingungswerk

Auch sonst lohnt ein genauerer Blick ins Bedingungswerk – denn auch wenn die Kfz-Versicherung als vergleichsweise einfaches Produkt gilt, kann es gerade in der Teil- und Vollkaskoversicherung zu entscheidenden Unterschieden in den Vertragsbedingungen kommen.  

Ein Beispiel: Kommt es zu einer Kollision eines Autofahrers mit einer entlaufenden Kuh, bleibt er unter Umständen auf dem Schaden sitzen, da viele Versicherer nur die Kollision mit Haarwild absichern. Dazu gehören zwar Wildschweine, Rehe und sogar Seehunde – der entlaufene Ochse allerdings nicht. Bessere Bedingungswerke sichern hingegen gegen Kollisionen mit Tieren aller Art ab.  

Auch bei Marderschäden lohnt ein Blick ins Bedingungswerk: Denn teilweise sind in der Teilkaskoversicherung nur die unmittelbaren Schäden, sprich der zerbissene Schlauch, abgesichert – Folgeschäden an Motor und Bremsen hingegen nicht.  

Nur wer also ein qualitativ ähnliches Bedingungswerk zu einem günstigeren Preis findet, dem sei zum Wechsel geraten. Nur das Einsparpotenzial im Blick zu haben, ist hingegen deutlich zu kurz gegriffen.