Keine Haftung für Sturz auf Strandtreppe

Anne Mareile Walter Versicherungen Recht & Haftung

Ein Badeunfall im Watt und ein gebrochener Oberschenkel: Das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein musste sich nun mit der Schadensersatzklage einer Urlauberin befassen.

Treppe Bild: Adobe Stock/perschfoto

Weil sie auf dem Weg ins Watt auf einer Treppe gestürzt war, hatte eine Frau den Betreiber der Ferienanlage auf Schadensersatz verklagt. Bild: Adobe Stock/perschfoto

Was als Strandausflug an die Nordsee geplant war, endete im OP-Saal eines Krankenhauses und schließlich vor Gericht. Weil sie sich durch einen Sturz auf einer Treppenanlage am Strand einen Oberschenkeltrümmerbruch zugezogen hatte, reichte eine Frau gegen den Betreiber der Anlage Schadensersatzklage vor dem Landgericht Itzehoe ein. Nachdem dieses die Klage abgelehnt hatte, legte die Frau Berufung ein und der Fall landete vor dem Oberlandesgericht (OLG) Schleswig-Holstein (Aktenzeichen: 11 U 31/21).

Was war passiert?

Der Unfall hatte sich auf einer Treppe der „Familienlagune Perlebucht“ in Büsum ereignet. Dabei handelt es sich um eine lagunenartig angelegte, künstliche Aufschüttung mit zwei Innenbecken. Vom Außenbereich der Anlage führen mehrere Treppen ins Watt bzw. in die Nordsee. Als die Frau dort die erste, im Wasser befindliche Stufe erreicht hatte, stürzte sie und zog sich dadurch den Trümmerbruch im Bein zu. Die Stufen seien durch Moos und Materialablagerungen zu rutschig gewesen, daher sei sie gestürzt – so begründete die Frau ihre Schadensersatzklage.

Anfang Juni wies das OLG Schleswig-Holstein die Klägerin darauf hin, dass ihre Berufung keine Aussicht auf Erfolg haben werde. Daraufhin zog diese ihre Berufung wieder zurück. Den Hinweis erklärte das Gericht folgendermaßen: An die Rutschfestigkeit von Badetreppen am Meer seien andere Anforderungen zu stellen als an die Rutschfestigkeit von Treppen in Sport- und Arbeitsstätten. Nutzer der Treppe könnten nur Schutz vor Gefahren verlangen, die „über das übliche Risiko der Anlagenbenutzung“ hinausgehen und „vom Benutzer nicht vorhersehbar“ sind. Allerdings sei es hier offensichtlich gewesen, dass mit einer Sturzgefahr, beispielsweise durch Schlick, gerechnet werden muss. Daher müssten Treppen an Badestellen dementsprechend vorsichtig benutzt werden. Und: Um Gefahren abzumildern, seien an der Treppe während der Badesaison Handläufe montiert worden, außerdem wurde geeignetes Betonmaterial verwendet. Weitere Sicherungen seien nach Auffassung des Gerichts nicht nötig gewesen.

Hinzu kommt: Für Treppen im Watt gelten nicht dieselben Regelegungen wie für Bodenbeläge im Barfußbereich von Schwimmbädern oder Umkleideräumen. Dies hat folgenden Grund: Erstere sind dem dauerhaften Einfluss der Gezeiten, starkem Wellenschlag, Frost und Schlickablagerungen ausgesetzt.