Jung, DMS & Cie kauft Analysehaus MORGEN & MORGEN

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JDC überrascht mit dem Kauf eines der führenden Analysehäusern am Markt. Welche Motivation dahinter steckt und ob es Parallelen zum softfair-Deal von Fonds Finanz in 2017 gibt.

Dr. Sebastian Grabmaier. Bild: JDC

Dr. Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender von JDC Group AG. Bild: JDC

Die Jung, DMS & Cie AG hat einen Kaufvertrag zum Erwerb von 100 Prozent der Anteile an der Morgen & Morgen GmbH unterzeichnet. Bis August dieses Jahres soll die Transaktion bereits abgeschlossen sein. Damit schnappen sich die Münchener eines der drei führenden Software- und Analysehäuser (Morgen & Morgen, softfair, Franke und Bornberg) am Versicherungsmarkt.

Damit erschließt sich JDC nach eigenen Angaben das fehlende Puzzleteil für ihr Plattformangebot, um über sämtliche Datendimensionen Tarife vergleichen, bewerten und mit Hilfe von Algorithmen und künstlicher Intelligenz Produktempfehlungen und -abschlu?sse generieren zu können. „Mit dem Erwerb von Morgen & Morgen erweitern wir unsere Kundenzielgruppen über Intermediäre hinaus auf die Versicherungsunternehmen selbst. Die Akquisition von Morgen & Morgen ermöglicht es uns daher, unsere Marktstellung zu hebeln“, so Dr. Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender von JDC Group AG, gegenüber procontra.

Vorbild Fonds Finanz & softfair?

Der Deal erinnert stark an den Kauf von softfair durch den Maklerpool Fonds Finanz vor ziemlich genau vier Jahren. Fonds Finanz baute damit seine Marktstellung und den Plattformgedanken weiter aus. War der Kauf von Morgen & Morgen nun eine Art verspätete Antwort, um Schritthalten zu können? „Nein. Morgen & Morgen verfügt über ein eigenes Team von 10 Versicherungsmathematikern und damit über überragende Kompetenzen in der Daten- und Tarifanalyse, die mit keinem Unternehmen im Markt vergleichbar sind.

Durch die Verknüpfung mit der JDC-Prozesskompetenz können wir das Thema Versicherungen neu denken: Wir werden im Bereich automatisierte Produktauswahl unter Einsatz von KI viele spannende und innovative Features in den Markt bringen, die die JDC Plattform für unsere Kunden noch attraktiver macht“, verspricht Grabmaier gegenüber procontra.

Auch einen Exitversuch, wie es Fonds Finanz mit softfair versuchte wird es bei JDC nicht geben. „Sicher nicht“, so Grabmaier. „Wir möchten Morgen & Morgen als eigenständiges, unabhängiges Unternehmen erhalten und die Vergleichs- und Analysekompetenz mit unserer Prozessstärke zusammenzubringen.“ Hintergrund: Knapp zwei Jahre nach dem Kauf von softfair, wollten die Fonds-Finanz-Gründer Markus Kiener und Norbert Porazik das Softwarehaus dem Markt wieder „zurückgeben“ – der Verkauf an die Marktteilnehmer scheiterte und wurde schließlich abgebrochen.

Unabhängigkeit bleibt erhalten, KI als Umsatztreiber

JDC wird weiterhin mit anderen Vergleichsanbietern zusammenarbeiten. Und auch die Unabhängigkeit von Morgen & Morgen soll „dauerhaft erhalten bleiben“. Maklern ohne JDC-Anbindung steht das Angebot von Morgen & Morgen nach wie vor uneingeschränkt zur Verfügung. „Wir versichern, dass wir keinerlei Einfluss auf die Unternehmensführung nehmen werden. Morgen & Morgen bleibt unabhängig und unbeeinflussbar“, versprach Grabmaier auf Nachfrage von procontra.

Der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz soll Berater effizienter aufstellen und keinesfalls ersetzen. „Viele Produkte, die langfristig angelegt sind und wichtige Bereiche des Lebens betreffen – etwa Altersvorsorge – sind erklärungsbedürftig und hier wollen Endkunden weiterhin eine kompetente, persönliche Beratung. Mit unserer Technologie und neuen Features wie KI-basierte, automatische Produktauswahl und -optimierung spart ein Vermittler Zeit und kann bei seinen Kunden eine höhere Wertschöpfung erzielen.“