Haftung für harte Flugzeuglandung?

Anne Mareile Walter Versicherungen

Ob Fluggesellschaften für Verletzungen zur Rechenschaft gezogen werden können, die sich durch eine unsanfte Landung ereignen und folglich ein Unfall vorliegt – darüber hatte nun der Europäische Gerichtshof zu entscheiden.

Flug Bild: Adobe Stock/m.mphoto

Nachdem sie einen Bandscheibenvorfall infolge einer Flugzeuglandung erlitt, zog eine Passagierin vor sämtliche österreichischen Gerichte. Jetzt beschäftigten sich die europäischen Richter mit der Haftungsfrage. Bild: Adobe Stock/m.mphoto

Ein Bandscheibenvorfall nach dem Aufsetzen eines Flugzeugs auf der Landebahn – in dieser Situation befand sich eine Passagierin im Jahr 2014 nach einem Flug von Wien nach St. Gallen. Wegen der mutmaßlich durch die Landung verursachten Verletzung verklagte sie die Airline, die Altenrhein Luftfahrt GmbH, auf Schadensersatz in Höhe von 70.000 Euro und zog damit durch alle österreichischen Instanzen. Die Gerichte wiesen die Klage der Frau zurück und stuften das Ereignis nicht als Unfall ein. Nun landete der Fall (Aktenzeichen: C-70/20) vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH).

Harte Landung ist ein "typisches Flugereignis"

Zuvor waren die österreichischen Richter der Auffassung gewesen, dass hier kein „Unfall“ im Sinne des Übereinkommens von Montreal vorliege. Laut dem Abkommen kann ein Luftfrachtführer für einen Personenschaden in Haftung genommen werden, wenn sich der Unfall, durch den „der Tod oder die Körperverletzung verursacht wurde, an Bord des Luftfahrzeugs oder beim Ein- oder Aussteigen ereignet hat“. In besagtem Fall sei die Landung zwar hart gewesen, aber noch im Rahmen der Grenzwerte und damit „ein typisches Ereignis während eines Flugs“ und kein Unfall im Sinne des Montrealer Abkommens, so das Urteil der Richter.

Der Oberste Gerichtshof Österreich übergab den Fall zur Vorabsentscheidung an die Luxemburger Kollegen, die sich der österreichischen Justiz anschlossen: Entscheidend sei nicht, wie der betroffene Passagier die Landung wahrgenommen habe. Entscheidend sei vielmehr, ob die Landung korrekt nach den Vorschriften wahrgenommen werde. 

Einen Pilotenfehler konnte der Europäische Gerichtshof nicht feststellen: So zeichnete der Flugschreiber eine vertikale Belastung von 1,8 g auf – die Höchstgrenze, die der Flugzeughersteller für die Belastung des Fahrwerks und der tragenden Teile des betreffenden Flugzeugs angibt, liegt hingegen bei 2 g. Aufgrund der alpinen Lage des Zielflughafens sei eine harte Landung zudem sicherer gewesen als eine weiche Landung, stellte das Gericht fest. Die Landung sei folglich "im Einklang mit den für das betreffende Flugzeug geltenden Verfahren und Betriebsgrenzen und unter Einhaltung der Regeln durchgeführt worden", so das Gericht.

Ein Unfall liege nach europäischem Recht demnach nicht vor. Die Fluglinie müsse folglich nicht für den Rückenschaden der Frau haften.