Größte Direktbank bittet nun auch Bestandskunden zur Kasse

Martin Thaler Investmentfonds

In Zukunft sollen auch Kunden mit mehr als 50.000 Euro Einlagen bei der ING Verwahrentgelte zahlen. Für Makler bietet dieser Umstand einen guten Beratungsaufhänger.

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Die ING, mit neun Millionen Kunden Deutschlands größte Direktbank, verschärft die Regeln für Verwahrentgelte. Bild: ING

Für die rund neun Millionen Kunden der ING Deutschland dürfte diese Nachricht wohl alles andere als erfreulich sein: Deutschlands größte Privatbank verschärft die Regeln für Verwahrentgelte. Waren bislang lediglich Neukunden ab einem Guthaben von 100.000 Euro betroffen, wird ab 6. Juli das Verwahrentgelt in Höhe von 0,5 Prozent bereits ab einem Guthaben von 50.000 Euro erhoben. Und: Ab 1. November diesen Jahres werden auch Bestandskunden zur Kasse gebeten.  

Laut Angaben der Bank sind ungefähr acht Prozent ihrer Kunden von der Neuregelung betroffen – das wären gut 720.000 Kunden. Diese sollen in den kommenden Monaten angeschrieben werden, um dem Verwahrentgelt zuzustimmen. Die explizite Zustimmung der Kunden ist dabei notwendig – erst im Frühjahr hatte der Bundesgerichtshof einzelne Klauseln aus den AGB der Banken für ungültig befunden, die eine „stillschweigende Zustimmung“ der Kunden bei AGB-Veränderungen vorsahen.  

Beratungsaufhänger für Makler

Die ING Deutschland begründete den Schritt auch mit dem Blick auf die Konkurrenz: „Bisher haben wir die Kosten, die durch sinkendende Zinsmargen und den negativen Einlagenzins der EZB entstehen, durch unser bestehendes Produktportfolio weitgehend ausgleichen können. Allerdings steigen die Einlagen weiter, auch weil viele Wettbewerber bereits ein Verwahrentgelt für Privatkunden eingeführt haben, das für Guthaben über 50.000 Euro oder sogar darunter erhoben wird“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Nick Jue.  

Da auch andere Banken zuletzt Verwahrentgelte eingeführt haben – teilweise bereits ab 25.000 Euro  – bietet sich Maklern ein interessanter Gesprächsaufhänger gegenüber ihren Kunden, insbesondere dann, wenn sie die zuletzt anziehende Inflation als weiteres Argument hinzuziehen.  

So scheint auch die ING selbst bestrebt, ihren Kunden die Geldanlage am Kapitalmarkt möglichst schmackhaft zu machen. Seit April erhebt die Bank auf ETF-Sparpläne keine Verkaufsgebühren mehr, das Investment ist mit Sparraten ab einem Euro sehr niedrigschwellig konzipiert. Die Bank sieht sich bestätigt: So habe die Zahl der Wertpapiersparpläne seit Ende 2020 (573.000) mittlerweile auf fast eine Million zugelegt.