Expertenrunde zerlegt CDU-Wahlprogramm

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt

Die CDU plant laut ihrem noch geheimen Wahlprogramm ein neues Altersvorsorge-Standardprodukt ohne Abschlusskosten, aber mit Auswahlmöglichkeiten. Darüber und über weitere vermittlerrelevante Details des Programms diskutierte am Mittwoch eine Expertenrunde.

Nahmen sich gestern in den Räumen des Alsterspree Verlags das noch inoffizielle Wahlprogramm er CDU vor: Makler Claus Marcus Götte, Dr. Hans-Georg Jenssen (BDVM) sowie Filip Schlosser und Martin Klein (VOTUM). Bild: procontra

Nahmen sich gestern in den Räumen des Alsterspree Verlags das noch inoffizielle Wahlprogramm der CDU vor (von links): Makler Claus Marcus Götte, Dr. Hans-Georg Jenssen (BDVM) sowie Filip Schlosser und Martin Klein (VOTUM). Bild: procontra

Erst am kommenden Montag will die Union ihr gemeinsames Wahlprogramm für die Bundestagswahl im Herbst vorstellen. Der aktuelle Entwurf des CDU-Parteiprogramms liegt der procontra-Redaktion aber schon vor. Bereits am Mittwoch haben wir daraus über die wesentlichen Pläne der Christdemokraten hinsichtlich Altersvorsorge, Pflegeversicherung und weiteren finanzpolitischen Themen berichtet.

Ebenfalls am Mittwoch haben sich in den Räumen des Alsterspree Verlags in Hamburg (zu dem auch procontra gehört) spontan Vertreter wichtiger Berufsverbände von Versicherungs- und Finanzberatern getroffen, um zusammen mit Alsterspree-Geschäftsführer Tilman Freyenhagen über diese Neuigkeiten zu diskutieren. Mit dabei waren Dr. Hans-Georg Jenssen, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler (BDVM), VOTUM-Vorstand Martin Klein und sein Kollege Filip Schlosser sowie Makler Claus Marcus Götte vom Hamburger Assekuranzclub, welcher dem Bundesverband der Assekuranzführungskräfte angehört.

„So ein Zwang ist da völlig fehl am Platz“

Aufreger war dabei vor allem das Vorhaben, ein privates Altersvorsorge-Standardprodukt ohne Abschlusskosten einzuführen, welches für alle Arbeitnehmer voreingestellt werden soll und nur per Opt-out abgewählt werden kann. Dennoch soll es für die Arbeitnehmer eine Produktauswahl geben sowie verschiedene Garantiemodelle. „Immer dann, wenn es verschiedene Wahlmöglichkeiten gibt, führt das dazu, dass eine Beratung stattzufinden hat, welches die richtige Absicherung ist“, bemerkte Jenssen. Für die Bürgerinnen und Bürger gebe es mit Blick auf die CDU-Vorstellungen Beratungsbedarf. „Welche Garantiemodelle gibt es? Wie viel kosten diese Garantien an Rendite? Entscheidet allein der Arbeitgeber über die Auswahl des Produkts oder darf der Arbeitnehmer mitentscheiden?“, stellte Jenssen heraus.

Götte verwies auf die heutzutage zunehmend komplizierten Erwerbsbiographien. Man sei heute nicht mehr 40 Jahre in einem Unternehmen angestellt. Die Altersvorsorge, besonders wenn diese in Verbindung mit dem aktuellen Arbeitgeber geschlossen wird, müsse mit einem möglichen Wechsel vom Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit und eventuell sogar wieder zurück kompatibel sein. Das erfordere Beratung. „So ein Zwang ist da völlig fehl am Platz“, findet Götte. Die passende Altersvorsorge brauche unter anderem Flexibilität, Risikoschutz und Hinterbliebenenabsicherung, bestätigte auch Jenssen. „Allein bei diesen Anforderungen merkt man schon, dass es mit einem Standard schwierig wird – und mit einem Standard ohne Beratung erst recht“, sagte der BDVM-Vorstand.

Fachkundige Beratung unerlässlich

Klein verwies darauf, dass die CDU bei ihren Plänen für ein Standardprodukt genau erörtern müsse, wie weit die steuerliche Förderung gehen werde. Etwa, ob man wie bei Wohn-Riester weiterhin staatlich gefördert in die eigene Immobilie sparen könne. Vieles an der Altersvorsorge sei deutlich komplexer als einfach nur die Frage „Opt-out oder nicht“. Fachkundige Beratung sei hier unerlässlich und könne eben nicht ohne Kosten funktionieren.

Die vollständige 15-minütige Diskussionsrunde zu den Altersvorsorgeplänen der CDU (dabei geht es unter anderem auch um eine bAV-Pflicht für Geringverdiener ohne Opt-out) kann im untenstehenden Video angesehen werden. Darin machen die Experten auch Vorschläge, wie man nur wenige Tage vor der offiziellen Vorstellung des Wahlprogramms noch auf dessen Inhalte einwirken kann.