Experten warnen vor "Schock" bei gesetzlicher Rente

Martin Thaler Versicherungen Top News

Die mögliche Lösung

Der wissenschaftliche Beirat macht sich insgesamt für zwei Maßnahmen stark. Da wäre zum einen eine Anpassung beim Renteneintrittsalter. „Das geschieht am besten durch eine dynamische Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung, sodass das Verhältnis der in Arbeit und in Rente verbrachten Lebenszeit konstant bleibt“, sagt Börsch-Supan. Im Gespräch ist hier die sogenannte 2:1-Regel. Steigt die Lebenserwartung um ein Jahr, müssen Arbeitnehmer acht Monate länger arbeiten.  

Allein zwischen 2030 und 2050 dürfte, laut Basisszenario der Experten, die Lebenserwartung bei Männern und Frauen um weitere 2,4 Jahre ansteigen. Unter Berücksichtigung der 2:1-Regel läge das Renteneintrittsalter für eine abschlagsfreie Rente im Jahr 2040 bei 67,8, 2050 dann bei 68,6 Jahren.   Gesundheitlich betroffene Menschen sollen von dieser Regelung ausgenommen sein. Arbeitnehmer, die hingegen trotz Überschreiten des Regelalters weiter arbeiten möchten, sollen dies auch tun können, fordern die Experten weitere Flexibilisierungen.  

Debatte muss bald geführt werden

Darüber hinaus seien als zweite Maßnahme zwei Wege denkbar. Der eine sehe vor, Bestandsrenten weniger stark zu erhöhen als neue Renten. Auf diese Weise könnte die Kaufkraft der Rente bei einem Beitragssatz von unter 23 Prozent stabilisiert werden. Nachteil: Menschen, die sehr alt werden, würden im Verhältnis zu den Löhnen nur sehr niedrige Renten erhalten.  

Der zweite Wege sehe vor, dass eine Haltelinie weiter bestehen bleibe – allerdings nur für einen Teil der erworbenen Entgeltpunkte. Die Rente darüber hinaus wäre wieder Nachhaltigkeits- aber auch Nachholfaktor unterworfen. Auf diese Weise würden geringere Renten gegenüber geringeren Renten aufgewertet, die Gefahr von Altersarmut zudem verringert, argumentieren die Experten.  

Eine Empfehlung, welches Modell er am zielgerichtesten halte, wollte der Beirat nicht abgegeben – stattdessen forderte er die Politik auf, einen Diskussionsprozess zu starten. Und das möglichst bald – nur dann könne der in wenigen Jahren anstehende Schock abgefedert werden.

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