DWS stellt Riester-Neugeschäft komplett ein

Florian Burghardt Investmentfonds Berater Highlights 2021

Weil die Politik den 100-prozentigen Beitragserhalt nicht lockern will, stellt die DWS Group als einer der größten Riester-Anbieter das Neugeschäft mit den Produkten zeitnah komplett ein. Die Union sieht die Schuld dafür bei Olaf Scholz und der SPD.

Als einer der größten Anbieter stellt die DWS Group ihr Riester-Neugeschäft nun ein. Ursache ist die Untätigkeit der Politik. Bild: Adobe Stock/Ihphotos

Als einer der größten Anbieter stellt die DWS Group ihr Riester-Neugeschäft nun ein. Ursache ist die Untätigkeit der Politik. Bild: Adobe Stock/Ihphotos

Die DWS Group stellt ihr Neugeschäft mit sämtlichen Riester-Produkten zum 01.07.2021 vollständig ein. „Hiervon betroffen sind die DWS Riesterrente Premium, der DWS Vermögenssparplan Premium, der DWS Premiumsparplan für Versorgungsausgleich und die DWS Toprente. Die Einstellung betrifft nur das Neugeschäft, die Bestandsverträge werden unverändert weitergeführt“, erklärte das Unternehmen am Donnerstag.

Die vollständige Beitragsgarantie der Riester-Produkte erweise sich im Umfeld anhaltender Niedrigzinsen zunehmend als Bürde für Vorsorgesparer, da das Kapital fast ausschließlich in konservative und negativ rentierende Anleihen investiert werden müsse. Es bleibe kein Spielraum für chancenreiche und substanzwertbasierte Aktienanlagen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Als Ursache nannte der Vermögensverwalter – vereinfacht gesagt – die Untätigkeit der Politik. „In ihrem Koalitionsvertrag 2018 hatten CDU/CSU und SPD vereinbart, zügig die private Altersvorsorge zu reformieren. Allerdings wurde in der nun auslaufenden Wahlperiode keine gesetzliche Änderung eingebracht. Die Entscheidung das Neugeschäft einzustellen, ist daher nötig, um die Interessen zukünftiger Anlegergenerationen zu schützen“, schreibt die DWS.

Als einer der größten Riester-Anbieter (rund 665.000 Bestandskunden) habe sich der Frankfurter Vermögensverwalter seit dem Jahr 2015 dafür eingesetzt, dass die verpflichtende 100-prozentige Bruttobeitragszusage vom Gesetzgeber flexibilisiert wird. Dass diese trotz der Absenkung des Höchstrechnungszinses von der Politik nicht angegangen wird, sehen zahlreiche Lebensversicherer und Vermittlerverbände kritisch. Das Riester-Neugeschäft wird für sie dadurch unprofitabel, wie nun auch das Beispiel DWS belegt. Das Unterlassen der Politik muss eindeutig als das bewusste Aus für Riester gedeutet werden. Dies wird auch durch den aktuellen Entwurf des CDU-Wahlprogramms bestätigt, in dem die Partei ein neues staatlich gefördertes, privates Altersvorsorge-Standardprodukt fordert.

Union sieht die Schuld bei der SPD

Die Union hat heute bereits auf das Riester-Aus der DWS reagiert. Der finanzpolitische Berichterstatter, Dr. Carsten Brodesser, erklärte, dass man mit der SPD und dem von Olaf Scholz geführten Bundesfinanzministerium nach der Sommerpause 2020 zu keinem echten Dialog mehr gekommen sei. „Millionen Menschen, die mit Riester einen Teil ihrer Altersvorsorge ergänzen wollen, werden auf diese Weise verprellt“, sagte Brodesser. Auch die finanzpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Antje Tillmann, sieht die Ursache unter anderem für den DWS-Neugeschäftsstopp in der Blockadehaltung von Olaf Scholz. „Der Finanzminister hat die Riester-Rente damit faktisch beerdigt und einen wesentlichen Bestandteil der privaten Altersvorsorge durch die Hintertür abgeschafft“, so Tillmann.

Die DWS bekräftigt ihre Forderung nach einer politischen Lösung des Zinsproblems. Sobald die notwendige Reform durch den Gesetzgeber auf den Weg gebracht werde, wolle die DWS ihre Position und ihren Neuvertriebsstopp umgehend prüfen, heißt es.