Diese Geldanlagen trotzen der Inflation

Anne Mareile Walter Investmentfonds Berater

Die Inflationsrate klettert auf einen 10-Jahresrekord. Renditechancen beim Vermögensaufbau werden also noch wichtiger, um die Kaufkraft im Alter zu gewährleisten.

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Während der aktuellen Inflation stehen Vermittler vor der Herausforderung, das Bedürfnis nach Sicherheit ihrer Kunden mit der Aussicht auf Rendite zu kombinieren. Dabei führt kein Weg an den Kapitalmärkten vorbei. Bild: Adobe Stock/ipopba

Im Mai ist die Inflationsrate in Deutschland auf den höchsten Stand seit fast zehn Jahren geklettert. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lag sie im vergangenen Monat bei 2,5 Prozent und erhöhte sich damit den fünften Monat in Folge. Diesen Stand hatte die Inflation zuletzt im September 2011 erreicht. Für Berater ist es jetzt umso wichtiger, den Fokus ihrer Kunden auf Geldanlagen mit hohen Renditechancen zu lenken und Anreize zu schaffen, um die weit verbreitete Scheu vor Aktieninvestments abzubauen.   

Vor allem Kraftstoffe und Heizöl trieben die Rate in die Höhe, der Preiszuwachs lag bei 27,5 beziehungsweise 35,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 waren die Rohölpreise wegen geringer Nachfrage auf dem Weltmarkt zeitweise eingebrochen – mittlerweile haben sie sich wieder erholt.  

Energieprodukte waren um zehn Prozent teurer als 2020. Eine Ursache dafür ist auch die zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Abgabe: 25 Euro müssen seitdem pro Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid abgeführt werden. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Inflationsrate im Mai?2021 bei plus 1,8?Prozent gelegen, ohne Heizöl und Kraftstoffe bei 1,6?Prozent. Doch auch Nahrungsmittel (plus 1,5 Prozent), Dienstleistungen (plus 2,2 Prozent) und Wohnungsmieten (1,4 Prozent mehr) legten im Vergleich zum Vorjahr zu.  

Inflation bald bei vier Prozent?

Nach Meinung von Experten dürften die Preise in der zweiten Jahreshälfte weiter ansteigen. So heißt es beispielsweise in einer Analyse von Ökonomen der Deutschen Bank, aus der die „Welt“ zitiert: „In einzelnen Monaten könnte die Jahresteuerungsrate sogar auf bis zu vier Prozent klettern.“ Grund sei, dass die Preise in der zweiten Jahreshälfte 2020 von der zeitweise gesenkten Mehrwertsteuer gedrückt wurden und sich dieser Effekt nun umkehren könnte. Commerzbank-Ökonom Marco Wagner prognostiziert vor allem in Bezug auf die Energiepreise eine Steigerung. : „Da die Preise jedoch im vergangenen Jahr gefallen waren, wird bei ihnen der Vorjahresvergleich in den kommenden Monaten deutlich steigen und die Teuerungsrate nach oben treiben.“ Nach seiner Schätzung dürfte die Inflation in der zweiten Jahreshälfte 2021 zeitweise auf drei Prozent klettern. 

Eine nachhaltige Erhöhung der Teuerungsrate sieht das Bundeswirtschaftsministerium aber nicht. „Aktuell sind keine Anzeichen einer Lohn-Preis-Spirale zu beobachten, die zu einer dauerhaft hohen Inflation führen kann“, heißt es im aktuellen Monatsbericht. Eine solche Spirale entsteht, wenn Gewerkschaften wegen höherer Preise Lohnerhöhungen durchsetzen und Unternehmen dies wiederum auf die Verkaufspreise aufschlagen.  

Beratung muss den Kapitalmarkt im Blick haben

Der Erhalt der Kaufkraft rückt – nicht nur durch den neuerlichen Inflations-Höchststand im Mai – stärker ins Zentrum der Beratung. Erst recht, weil davon auszugehen ist, dass das aktuelle Zinsniveau noch einige Jahre nahe der Nulllinie bleiben wird. Wer sein Geld weiter auf schwach bis wenig verzinsten Anlagen hortet, erhält am Ende zwar sein nominelles Vermögen zurück - die reale Kaufkraft schwindet jedoch Jahr für Jahr (siehe Tabelle). 

Für Vermittler besteht die Herausforderung nun darin, das Bedürfnis nach Sicherheit ihrer Kunden sinnvoll und chancenreich mit der Aussicht auf Rendite zu kombinieren. Hier führt aktuell kein Weg an den Kapitalmärkten vorbei, um Erträge oberhalb der Inflationsrate zu generieren. Und über den langen Zeitraum, der beim Aufbau einer Altersvorsorge einfach eine Grundvoraussetzung ist, relativieren sich auch Risken und zwischenzeitliche Schwankungen. Es braucht Durchhaltevermögen beim langfristigen Vermögensaufbau. Auch zu dieser Erkenntnis sind noch nicht alle Kunden gekommen.