„Die Leistung des Versicherungsvermittlers wird von der Politik maßlos unterschätzt“

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

procontra: In der betrieblichen Altersversorgung scheint die CDU hingegen von einer obligatorischen Lösung abgerückt zu sein – ein Schritt in die richtige Richtung?

Martin Klein: Ein wirkliches Abrücken vom Obligatorium ist auch hier leider nicht erfolgt. Die Union kündigt in ihrem Wahlprogramm an, das Konzept einer ‚Betrieblichen Altersvorsorge für Alle‘ entwickeln zu wollen. Hier verstecken sich weiterhin die Pläne eines angestrebten Obligatoriums – insbesondere für Geringverdiener.

procontra: Sind die Entscheidungen der CDU, die sich ja eher Versicherer-kritisch lesen, womöglich auch eine Reaktion auf das schlechte Image der Versicherungswirtschaft, beflügelt durch den Komplex Betriebsschließungsversicherungen?

Martin Klein: Das Programm von CDU und CSU ist vielmehr vermittler- als versicherungskritisch, denn das geplante Standardprodukt soll ja von den Versicherern gestellt werden – jedoch ohne die erforderliche Beratung. Die Fragestellung rund um das Thema Betriebsschließungsversicherung und Corona hat keine Ausstrahlung auf die Ausgestaltung der private Altersvorsorge. In diesem Bereich wird alles von der Niedrigzinsphase und der dadurch bedingten Kostendiskussion dominiert. Reformvorschläge ohne die Berücksichtigung der notwendigen Beratungskosten führen jedoch in eine Sackgasse. Gerade während der Pandemie hatten die VOTUM-Vermittlungsunternehmen einen erheblichen Anstieg in den Beratungsgesprächen. Das zeigt: Der Bedarf nach guter Beratung ist da! Und die gestiegenen Umsatzzahlen zeigen: Das Vertrauen in die Vermittler auch.

Provisionsdeckel reloaded?

procontra: Die Themen Finanzberatung, Provisionsdeckel oder Bafin-Aufsicht finden im Parteiprogramm keine Erwähnung. Werten Sie das eher als gutes oder schlechtes Zeichen?

Martin Klein: Weder noch. Die von Ihnen angesprochenen Themen kamen zum großen Teil nicht aus dem Lager der Union. Die Bafin-Aufsicht war eine Herzensangelegenheit der SPD. Gleiches gilt für den Provisionsdeckel. Wir gehen davon aus, dass diese Themen nach der Bundestagswahl im September so oder so in unterschiedlicher Gewichtung in möglichen Koalitionsverhandlungen wieder aufkommen werden. Dies bestätigen auch die von uns geführten Gespräche mit der SPD und den Grünen.

procontra: Gibt es auch branchenrelevante Punkte im Programm, die Sie unterstützen?

Martin Klein: Die Altersvorsorgepflicht für Selbstständige steht bei allen relevanten Parteien erneut im Wahlprogramm. Die Union sieht – wie auch die FDP – hier weiterhin eine Wahlfreiheit zwischen der Einzahlung in die gesetzliche Rente und einer privaten Vorsorge vor. Dies ist aus unserer Sicht ausdrücklich zu begrüßen.

Die Wahlprogramme der Parteien zeigen, dass die Pläne für eine geförderte private Altersvorsorge höchst unterschiedlich sind. Allen Parteien muss jedoch klar sein, dass wir im Jahr 2022 weiterhin ein bestehendes Angebot für die Bürger benötigen und diese nicht darauf warten können, dass sich eine neue Koalition nach langen Verhandlungen verständigt. Ein unmittelbarer erster Schritt muss daher darin bestehen, dass in einem gesetzgeberischen Schritt, der ohne großen Aufwand umzusetzen ist, die Garantie bei Riester abgesenkt wird. Nur so wäre gesichert, dass in der Reformphase den Bürgern weiterhin ein gefördertes Altersvorsorgesparen möglich ist. Der Ausstieg vieler Anbieter aus dem Riester Produkt ist eine klare Handlungsaufforderung an die Politik.

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