Der schmerzhafte Sturz nach dem BVB-Spiel

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Nach einem Fußballspiel stürzte ein Stadionbesucher über die Kabelmatte einer Brezelstand-Betreiberin. Vor Gericht ging es nun um die Frage, ob diese Schadensersatz zahlen muss.

Borussia Dortmund Bild: Pixabay/suesun

Nach einem Spiel von Borussia Dortmund kam es zu einem schmerzhaften Vorfall, der ein juristisches Nachspiel hatte. Bild: Pixabay/suesun

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass im Dortmunder Westfalenstadion bzw. Signal-Iduna-Park keine Kabelmatten mehr zu finden sind? Der Grund hierfür liegt in einem Vorfall aus dem Jahre 2017, der nun vor dem OLG Hamm verhandelt wurde (Az: 7 U 27/20).  

Was war passiert?  

Bei einem Fußballspiel des BVB war ein Stadionbesucher beim Verlassen des Stadions über eine Kabelmatte gestolpert, mit der Elektrokabel, die zu einem Brezel-Verkaufsstand führten, abgedeckt waren. Beim Sturz zog sich der Familienvater einige schwere Riss- und Quetschwunden im Gesicht zu – noch heute sind davon Narben zurückgeblieben. Da die Kabelmatte mit ihren Rissen und Wellenbildungen in einem fragwürdigen Zustand war, verlangte der Mann Schadenersatz in Höhe von 10.000 Euro von der Brezel-Verkäuferin bzw. deren Haftpflichtversicherung. Da diese sich weigerte, landete der Fall vor Gericht.  

Das Landgericht Dortmund hatte bereits im vergangenen Jahr geurteilt, dass dem Mann grundsätzlich Schadenersatz zustehe. Die Kabelmatte habe sich in einem derart schlechten Zustand befunden, dass sie nicht mehr hätte verwendet werden dürfen. Allerdings sah das Gericht auch eine Teilschuld beim Unfallopfer – der Mann hätte die Kabelmatte bemerken müssen, so  dass er sich eine Teilschuld von 1/3 anrechnen lassen müsse.  

Die Brezel-Verkäuferin ging gegen dieses Urteil in Berufung, der Fall landete vor dem OLG Hamm.  

Die Entscheidung  

In einem Beschluss führte das Hammer Gericht aus, dass die Brezel-Verkäuferin verpflichtet gewesen war, das über den Fußgängerbereich verlaufende Kabel abzusichern, da dieses eine Stolperfalle darstellte. Hierzu sei eine Kabelmatte zwar grundlegend geeignet. Jedoch habe diese nicht flach auf dem Boden gelegen, sondern Bögen geworfen. Hierdurch entstand das Risiko, dass die in dichtem Gedränge aus dem Stadion gehenden und wahrscheinlich gedanklich anderweitig beschäftigten Zuschauer die Matte, nicht aber den gewellten Randbereich sehen würden und mit dem Fuß „einfädeln“ könnten.  

Die Brezelstandbetreiberin, deren Pflicht es sei, die ordnungsgemäße Verlegung der Matte während des gesamten Stadionaufenthalts der Zuschauer sicherzustellen, habe mit der Verwendung der welligen Kabelmatte keine Stolperfalle gebannt, sondern eine neue Gefahr erzeugt, so das OLG. Um die Stolpergefahr abzuwenden, hätte die Frau sich nicht verformende und bewegende Matten verwenden oder die Ränder der verwendeten Matte abkleben müssen. Da sie das nicht getan hatte, trage sie die Hauptschuld am Unfall. Die Bemessung der Teilschuld von 1/3 des Unfallopfers bewertete das Gericht als angemessen.  

Die Frau zog darauf ihre Berufung zurück.