Corona lässt OIF-Renditen sinken

Martin Thaler Investmentfonds

Lange Gesichter bei Immobilien-Investoren: Die Renditen bei offenen Immobilienfonds sind durch die Corona-Krise merklich unter Druck geraten. Einen Grund, das Anlagemodell infrage zu stellen, gibt es aber nicht.

Immobilienfonds Bild: Pixabay/Portraitor

Dunkle Wolken für Immobilieninvestoren? Trotz sinkender Renditen schätzen Analysten das Geschäftsmodell weiter als stabil ein. Bild: Pixabay/Portraitor

Corona-Krise hin oder her – bei deutschen Anlegern sind offene Immobilienfonds (OIF) weiterhin sehr beliebt. Laut Branchenverband BVI waren Ende 2020 insgesamt 117,5 Milliarden Euro in offene Immobilienfonds investiert – der Großteil davon stammt von Privatanlegern.

Diese mussten sich im vergangenen Jahr jedoch auf gesunkene Renditen einstellen: Während 2019 die 15 Fonds noch auf eine durchschnittliche Rendite von 3,2 Prozent kamen, sank diese im Jahr 2020 auf nur noch 2,1 Prozent. Dies ergibt eine Auswertung des Berliner Ratinghauses Scope. Für das Jahr 2021 gehen die Analysten dabei von weiter sinkenden Renditen aus: So wird für dieses Jahr eine durchschnittliche Rendite von 1,5 Prozent prognostiziert.  

Renditespektrum reicht von -1 bis +5,1 Prozent

„Das veränderte Renditeprofil der Fonds zeigt, dass sich die Risiken, die im vergangenen Jahr bereits zu Rating-Herabstufungen führten, nun materialisieren“, sagt Sonja Knorr, Head of Alternative Investments bei Scope Analysis. „Vor allem jene Fonds mit größerem Bestand an Hotelimmobilien und Shopping-Centern mussten Einnahme-Einbußen und Wertkorrekturen hinnehmen.“ Tatsächlich fällt die Entwicklung zwischen den einzelnen Fonds sehr unterschiedlich aus: Das Spektrum reichte hierbei von -1 bis + 5,1 Prozent.  

Das einzige Produkt mit negativer Rendite war dabei der UniImmo Global: Dieser hatte im vergangenen Jahr eine Bewertungsanpassung in zweistelliger Millionenhöhe vorgenommen, nachdem ein Hotel in New York aufgrund der Corona-Pandemie hatte schließen müssen und auch der Betreiber eines weiteren Hotels an der amerikanischen Westküste aufgegeben hatte.  

Allgemein hatten die Fonds mit mehr Leerständen in ihren Immobilien zu kämpfen gehabt. So sank im vergangenen Jahr die durchschnittliche Vermietungsquote um rund 1,7 Prozent auf 94,3 Prozent – der erste Rückgang seit 2011. Auch für dieses Jahr gehen 44 Prozent der von Scope befragten Asset Manager von einer weiter sinkenden, bestenfalls stagnierenden Vermietungsquote aus.  

Druck auf Vermietungsquoten

Denn auch wenn in vielen Ländern die Corona-Inzidenzzahlen sinken, könnte sich die Pandemie weiter auf die Rentabilität der Fonds auswirken – dies wäre der Fall, wenn sich der während der Pandemie etablierte Trend zum Home-Office weiter fortsetzen sollte. Betroffen sind hiervon laut Scope vor allem Immobilien in weniger attraktiven Lagen, nicht so sehr hingegen Objekte im sogenannten Class-A-Bürosegment. Hier geht Scope nicht davon aus, dass die Leerstände dauerhaft zunehmen – dagegen spricht schon die relative Preisstabilität in diesem Segment.  

Dennoch besteht trotz des zunehmenden Drucks aus Sicht von Scope-Analystin Knorr kein Anlass, OIF als Anlageobjekt grundlegend in Frage zu stellen. „Für dieses Produkt brauchen Anleger einen Investmenthorizont von mindestens fünf bis sieben Jahren. So können auch schwächere Jahre kompensiert und damit Verluste vermieden werden“, sagte Knorr jüngst im Gespräch mit procontra und fügte an: „Unsere Statistik zeigt, dass die meisten Fonds das Ziel von stabilen Renditen erreichen.“