Corona-Krise schadet Vermittlern kaum

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Trotz Kurzarbeit und Jobverlust vieler Kunden konnte laut einer BVK-Studie ein Großteil der Vermittlerbetriebe den Vertragsbestand erhöhen. Investitionen in die digitale Beratung machten sich bezahlt.

Vermittler Bild: Adobe Stock/Monster Ztudio

Viele Vermittlerbetriebe konnten trotz Pandemie ihre Gewinne steigern und ihren Vertragsbestand weiter erhöhen. Bild: Adobe Stock/Monster Ztudio

Die Corona-Pandemie hat bei den Versicherungsvermittlern wenig Spuren hinterlassen. Auch wenn einige Betriebe rückläufige Gewinne verbuchten, blieb die Branche insgesamt stabil und konnte teils sogar eine Gewinnsteigerung verzeichnen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Strukturanalyse des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), die alle zwei Jahre die betriebswirtschaftliche Entwicklung der Vermittlerunternehmen unter die Lupe nimmt und nun den Zeitraum von Dezember 2020 bis März 2021 untersuchte. 3.233 Betriebe nahmen an der Studie teil. 63,5 Prozent von ihnen konnten den Vertragsbestand erhöhen, 17 Prozent hielten ihren Bestand unverändert.

40 Prozent steigerten ihren Gewinn

Trotz Corona steigerten 40 Prozent der Vermittlerbetriebe ihren Gewinn. Ganz ohne Folgen blieb die Krise für die Vermittlerbranche trotzdem nicht. So hatte fast jeder dritte Betrieb einen Rückgang seines Gewinns zu verzeichnen. „Bei einem weiteren Drittel blieb der Gewinn gleich“, erklärte BVK-Präsident Michael Heinz. Außerdem seien Verträge während der Pandemie vermehrt storniert worden, da wegen Kurzarbeit oder Verlust des Arbeitsplatzes die finanzielle Belastung einiger Kunden zu groß wurde. Bei 18 Prozent der Vermittlerbetriebe verringerte sich der Vertragsbestand im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr. In den beiden vorherigen Strukturanalysen hatte diese Quote um fünf Prozentpunkte höher gelegen – der Unterschied ist daher marginal.

Waren die Betriebe in der Lage, während der Pandemie ihre Kundenkontakte zu halten und über andere Kanäle zu beraten, konnten sie laut BVK-Vizepräsident Andreas Vollmer ihre Vertragsbestände oft erweitern. Demnach profitierten sie von früheren Investitionen in ihre betriebliche digitale Infrastruktur.

Größerer Schwerpunkt auf digitaler Beratung

Bei vielen Vermittlern hatte die Situation im ersten Halbjahr 2020 allerdings noch anders ausgesehen: Nach der Procontra-eigenen Umfrage „Maklers Lieblinge“ waren die Einnahmen bei knapp jedem Zweiten (43 Prozent) in diesem Zeitraum zurückgegangen – bei den meisten (22 Prozent) allerdings um weniger als ein Zehntel, verglichen mit dem Vorjahr. Bei 16 Prozent der Befragten lag der Umsatzrückgang zwischen zehn und 30 Prozent und nur gut fünf Prozent hatten mit Einbußen über 30 Prozent zu kämpfen. Ein weiteres Ergebnis der Procontra-Umfrage: Die Beratung über digitale Kanäle nahm insgesamt durch die Pandemie zu. Mehr als jeder dritte Betrieb bot im ersten Halbjahr 2020 neben der Beratung vor Ort auch eine virtuelle Variante an. Für 12,8 Prozent waren die Corona-Umstände ein Anlass, die Beratung überwiegend auf das Internet zu verlagern.