BVK: "Unionspläne für Standardprodukt völlig unklar"

Florian Burghardt Berater

Der Vermittlerverband lehnt das von CDU und CSU anvisierte Altersvorsorge-Standardprodukt rundherum ab. Private Altersvorsorge sei immer erklärungsbedürftig, die Beratung dafür müsse angemessen entlohnt werden. Riester dafür zu opfern, hält der BVK für falsch.

Der BVK (im Bild: Präsident Michael H. Heinz) lehnt die Pläne von CDU und CSU für ein Altersvorsorge-Standardprodukt ohne Abschlusskosten ab. Private Altersvorsorge sei immer erklärungsbedürftig, die Beratung dafür müsse angemessen entlohnt werden. Bild:

Der BVK (im Bild: Präsident Michael H. Heinz) lehnt die Pläne von CDU und CSU für ein Altersvorsorge-Standardprodukt ohne Abschlusskosten ab. Private Altersvorsorge sei immer erklärungsbedürftig, die Beratung dafür müsse angemessen entlohnt werden. Bild: BVK

„Die Unionspläne sind äußerst fragwürdig und entsprechen nicht dem Leitgedanken bürgerlich-freier Entscheidung“, sagt BVK-Präsident Michael H. Heinz. Sein Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute lehnt das von CDU und CSU anvisierte Altersvorsorge-Standardprodukt rundherum ab, heißt es in einer Mitteilung. Es verkenne die unterschiedlichen Bedürfnisse und Lebenssituationen der Menschen, für die eine qualifizierte individuelle Beratung durch Vermittler notwendig sei. Beratung sei wichtig und müsse auch angemessen entlohnt werden.

Das am Montag vorgestellte Wahlprogramm von CDU und CSU schmeckt der Versicherungsbranche nicht besonders. Im Mittelpunkt steht dabei ein Altersvorsorge-Standardprodukt, dass die Union einführen will. Während man sich in Berlin offenbar schon von einer Rettung beziehungsweise Reformierung der Riester-Rente verabschiedet hat, soll dieses neue Produkt die bisherige private, staatlich geförderte Altersvorsorge ersetzen. Wichtig: Laut dem Parteiprogramm soll dieses keine Abschlusskosten enthalten. Ob dann auch keine Beratung stattfinden oder die Berater für umsonst arbeiten sollen, wurde bereits letzte Woche nach einem durchgesickerten Entwurf des Wahlprogramms von Verbänden diskutiert.

BVK hält Verdopplung der Riester-Sparer für möglich

„Ein Vertrieb ohne Beratung widerspricht dem Verbraucherschutzgedanken. Dass dieses Standardprodukt ohne Abschlusskosten und damit Beratung auskommen soll, ist kontraproduktiv. Wir sehen die Gefahr, dass die Verbraucher diesem Vorsorgezwang in großer Zahl widersprechen werden“, meint Heinz. Viel bessere Chancen, um dem Altersvorsorgebedarf der Deutschen gerecht zu werden, sieht der BVK schon seit Längerem in einer Riester-Reform. Würde man Riester vom bürokratischen Ballast befreien – konkret durch den Wegfall der 100-prozentigen Beitragsgarantie sowie einer Öffnung für weitere Berufsgruppen – würde dies für einen Schub von weiteren rund 16 Millionen Sparern sorgen, glaubt man beim BVK. Geringverdiener könnten dann weiterhin von den hohen Riester-Kinderzulagen profitieren. Dieser Zielgruppe würde die Union aber lieber die bAV schmackhaft machen.

Nur mit dem aktuellen Wahlprogramm sei völlig unklar, wie dieses Standardprodukt konzipiert sein soll und wie dessen Anlagestrategie aussehen soll, kritisiert der Vermittlerverband. „Dass jetzt die Union das bewährte und reformfähige Riester-Modell einem fragwürdigen Standardprodukt opfert, kritisieren wir scharf“, sagt Heinz. Die private Altersvorsorge hält er immer für erklärungsbedürftig. Die Beratungsexpertise der Vermittler ungenutzt lassen zu wollen, hält er für einen großen Fehler.