BU-Analyse: Bei diesen Krankheiten ist die Anerkennungsquote am höchsten

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen sind jedoch auch der häufigste BU-Grund. Laut Untersuchung von 22.000 Leistungsanträgen war die Psyche in 27,86 Prozent der Fälle Ursache dafür, dass der Versicherte seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte – Tendenz steigend. Zum Vergleich: In der gesetzlichen Rentenversicherung waren psychische Erkrankungen bereits für knapp 43 Prozent aller Erwerbsminderungsrenten im Rentenzugang 2019 verantwortlich. „Diese Entwicklung birgt für BU-Versicherer einigen Sprengstoff“, mahnte Franke & Bornberg-Geschäftsführer Michael Franke.  

Weitere BU-Ursachen waren Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (23,17 Prozent), Krebserkrankungen (18,06), Krankheiten des Kreislaufsystems (7,16), Krankheiten des Nervensystems, wie Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose (5,17) sowie Unfälle (4,85). Auf sonstige Ursachen entfielen zudem 13,72 Prozent der anerkannten Anträge.  

Warnung vor Alarmismus

Der Faktor Corona schlug sich auf die Untersuchung noch nicht nieder, da für die Auswertung Leistungsanträge aus dem Jahr 2019 berücksichtigt wurden. Kritisch beäugte Franke allerdings Aussagen, die Versicherer würden sich um Corona-Folgeschäden drücken. Eine Studie von Premium Circle hatte zu diesem Thema in den vergangenen Wochen bereits deutlichen Widerspruch erfahren.  

„Wenn vermeintliche Fachleute auf der Corona-Welle reiten, fehlt mir dafür jedes Verständnis. Entweder setzen sie gezielt auf Alarmismus, was Verbraucher:innen vom Abschluss des wichtigen BU-Schutzes abhalten könnte. Oder sie haben das Leistungsbild der BU-Versicherung schlicht nicht verstanden“, monierte Franke.  

Bleibt die Frage nach dem Aussagegehalt der Studie: Zwar decken die sieben untersuchten Versicherer – Allianz, Ergo, Generali, HDI, Nürnberger, Zurich und erstmals auch die Gothaer – einen Marktanteil von über 50 Prozent ab. Repräsentativ ist die Studie allerdings nicht, die Teilnahme ist für die Versicherer freiwillig. „Es spricht viel dafür, dass vor allem besonders leistungsfähige und selbstkritische Versicherer bei unserer BU-Leistungspraxisstudie mitmachen. Sie sehen ihre Teilnahme als Chance, interne Prozesse nach objektiven Kriterien analysieren zu lassen und sich mit anderen Marktteilnehmern zu messen. Unternehmen mit schlechteren Kennzahlen stellen sich einer solchen Untersuchung eher nicht“, erklärte Franke. Dennoch: Die Aussage, Versicherer würden Leistungen pauschal unterbinden, lässt sich durch diese Studie nicht untermauern.

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