BSV-Schäden kosten Signal Iduna 50 Millionen Euro

Florian Burghardt Versicherungen

Die Signal Iduna zeigte sich 2020 in der Betriebsschließungsversicherung deutlich leistungsbereiter als viele andere Versicherer. Doch noch immer ist man nicht mit allen Kunden zu einem Ergebnis gekommen. Dem erfolgreichen Geschäftsjahr tat die BSV keinen Abbruch.

Auf ihrer virtuellen Bilanzpressekonferenz teilte die Signal Iduna unter anderem mit, dass in 2020 auf jeden Beitragseuro in der Betriebsschließungsversicherung 100 Euro Aufwendungen kamen. Bild: Signal Iduna

Auf ihrer virtuellen Bilanzpressekonferenz teilte die Signal Iduna unter anderem mit, dass in 2020 auf jeden Beitragseuro in der Betriebsschließungsversicherung 100 Euro Aufwendungen kamen. Bild: Signal Iduna

Weiterhin fechten viele Gewerbetreibende juristische Kämpfe mit ihren Versicherern aus, um Leistungen aus ihren Betriebsschließungsversicherungen (BSV) zu erhalten. Denn die meisten Versicherer sehen sich bei den Corona-bedingten Schließungen in den Lockdowns nicht in der Leistungspflicht.

Etwas anders sieht man das bei der Signal Iduna. Bereits im Vorjahr hatte der Versicherer, der viele Handels- und Handwerksbetriebe im Bestand hat, angekündigt, sich für die BSV-Schäden in der Pflicht zu fühlen. „Wir hatten nicht das Ziel, in Rechtsstreitigkeiten mit Gastronomen zu treten und haben uns früh dazu entschieden, die Deckung im Einzelfall mit den Kunden zu erörtern“, hatte der Vorstandsvorsitzende, Ulrich Leitermann, während der Bilanzpressekonferenz zum Geschäftsjahr 2019 auf procontra-Nachfrage erklärt.

Mit fast allen Kunden einig

Heute zog der Dortmunder Versicherer Bilanz zum Corona-Jahr 2020 und legte dabei auch die Abrechnung seines BSV-Sonderwegs auf den Tisch: So standen in diesem Produktbereich Beitragseinnahmen von 500.000 Euro Aufwendungen in Höhe von 50 Millionen Euro gegenüber – eine Schadenkostenquote von 10.000 Prozent.

Die Signal Iduna habe aber nicht jeden BSV-Schaden blind durchgewunken – ansonsten wären die Gesamtaufwendungen wohl noch höher ausgefallen. In der Endabrechnung steckten sowohl vollständig übernommene Schäden, individuelle Kompromisse als auch Fälle, in denen die Kunden den Bayerischen Kompromiss angenommen hätten, erläuterte Vorstandsmitglied Dr. Stefan Kutz auf procontra-Nachfrage. Als Beispiele für die Komplexität der vielen verschiedenen Fälle nannte er eine Bäckerei, die weiter geöffnet bleiben durfte, während ihr zugehöriges Café schließen musste. Insgesamt sei man bislang mit 88 Prozent der betroffenen BSV-Kunden zu einem Ergebnis gekommen.

Aufwind trotz Corona

Die BSV-Aufwendungen wirken zwar negativ auf das Ergebnis der Signal Iduna, konnten dieses aber trotzdem nicht von einem Anstieg abhalten. So schlug für das Geschäftsjahr 2020 ein Gewinn von 873,7 Millionen Euro zu Buche (+29,4 Prozent). Davon werden 739,9 Millionen Euro an die Kunden des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit ausgeschüttet (Vorjahr: 482,1 Millionen Euro). Auch die gebuchten Bruttobeiträge der Gruppe erhöhten sich um 3,2 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro. Trotz der Corona-Pandemie und der BSV-Aufwendungen sanken die Ausgaben für Versicherungsfälle von 5,2 auf 5,0 Milliarden Euro.

Beim Thema Riester überlegt man bei der Signal Iduna aktuell noch, ob man auch ab dem 01.01.2022 Neugeschäft zeichnen oder die Aktivitäten hier lieber einstellen will. Aufgrund des dann geltenden Höchstrechnungszinses von 0,25 Prozent sowie wegen des Festhaltens der Politik an der 100-prozentigen Beitragsgarantie wird das Riester-Neugeschäft für die Lebensversicherer unprofitabel. Leitermann sagte, er halte es für keine schöne Art und Weise, wie die Politik mit der Riester-Rente umgehe. Es sei genügend Zeit gewesen, um etwa ein neues, kostengünstigeres Standardprodukt zu konzipieren.