Breite Front gegen Abschlusskosten

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Deutlich gegen die Riester-Rente positionierte sich auch SPD-Kanzlerkandidat und Bundesfinanzminister Olaf Scholz: „Wir haben uns verlaufen“, erklärte Scholz mit Blick auf das bestehende Modell, das nach Ansicht von Scholz keine ausreichenden Renditen generiere. „Das liegt unter anderem an den unglaublichen hohen Vertriebskosten“, bemerkte der SPD-Politiker und fügte sich damit in die Reihe seiner Vorredner ein. 

Allerdings wurde Scholz noch deutlicher und griff – zum wiederholten Male – die Versicherer direkt an: „Wenn ich einmal verkürzt sagen darf, wie mir das vorgekommen ist: Die brauchen die staatliche Förderung um die hohen Vertriebskosten und die fehlende Rendite zu ersetzen“, erklärte Scholz und berief sich dabei auf zahlreiche Gespräche, die er in den vergangenen vier Jahren mit Vertretern der Branche geführt hatte. Dass mit hohem steuerlichen Aufwand allerdings ein Produkt, das aufgrund von mangelnder Rendite und hohen Abschlusskosten nicht attraktiv sei, subventioniert werde, „dafür gibt es keinen Grund“, sagte Scholz. „Das ist wirklich nicht erklärbar, außer mit Lobbyismus.“

Weitere Anbieter werden sich aus Riester zurückziehen

Entsprechend gering scheint die Bereitschaft ausgeprägt, im bestehenden System die Garantien zu flexibilisieren. Diese Forderung hatten Vertreter von Fondsgesellschaften und Versicherern immer wieder vorgebracht, besonders nachdrücklich seit der beschlossenen Senkung des Höchstrechnungszinses zum 1. Januar 2022 auf 0,25 Prozent. Zahlreiche Versicherer und Fondsgesellschaften hatten daraufhin erklärt, zukünftig keine Riester-Produkte mehr anbieten zu wollen – zuletzt die DWS Group, mit 665.000 Bestandskunden einer der größten Riester-Anbieter.  

Scholz erklärte hierzu lediglich, dass weitere Anbieter diesem Schritt folgen werden. Dies wird aber offenbar nicht als Grund zur Beunruhigung betrachtet. Stattdessen sollte diese Entwicklung eher als Chance betrachtet werden, etwas Neues zu schaffen, „etwas das überschaubar, billig und für alle zugänglich ist“, so Scholz.

Die gesamte Debatte können Sie im Video nachverfolgen. Das Thema Altersvorsorge wird ab 1:23 Stunden behandelt.

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