Breite Front gegen Abschlusskosten

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Beim Thema Altersvorsorge scheint bei den meisten politischen Parteien Einigkeit zu bestehen: Abschlusskosten gilt es zu vermeiden. Das wurde nun bei einer Podiumsdiskussion des vzbv deutlich, bei der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz die Versicherer erneut scharf angriff.

Diskussion über private Altersvorsorge Screenshot: vzbv

Anlässlich des Deutschen Verbrauchertages 2021 bat der vzbv unter anderem zur Diskussion über die private Altersvorsorge. Screenshot: vzbv

So viel Einklang ist selten: Als am Montag dieser Woche – dem Deutschen Verbrauchertag 2021 – Vertreter der politischen Parteien auf Einladung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) zusammenkamen, herrschte bei der Analyse des Status quo der Riester-Rente weitgehend Einigkeit.  

Die Riester-Rente sei teuer, unflexibel und wenig rentabel eröffnete ein Video-Statement des BdV-Vorsitzenden Axel Kleinlein die Debatte – wirklich widersprechen wollte ihm keiner der anwesenden Politiker. Lediglich Verbraucherschutzministerin Julia Klöckner (CDU) ergriff zögerlich Partei für die staatlich geförderte Altersvorsorge: „Wir sollten die Riester-Rente nicht in Bausch und Bogen reden“, wand die CDU-Politikerin ein, „angesichts von 16 Millionen Riester-Verträgen ist das eine nie dagewesene Erfolgsstory“.  

Angesichts seit Jahren stagnierender und mittlerweile gar rückläufiger Vertragszahlen spricht sich aber auch die CDU mittlerweile dafür aus, diese Erfolgsstory weiterzuentwickeln. Erst am Montag veröffentlichte die Partei ihr Wahlprogramm zur kommenden Bundestagswahl, in dem es heißt: „Bei der privaten, staatlich geförderten Altersvorsorge brauchen wir einen Neustart.“ Dafür soll ein obligatorisches Standardprodukt geschaffen werden, dass mit möglichst niedrigen Verwaltungs- und ohne Abschlusskosten auskommen soll.“ Heftige Kritik folgte daraufhin vom Vermittlerverband Votum.  

"Wofür geht das Geld der Leute drauf?"

Klöckner verteidigte aber das frisch formulierte Ziel ihrer Partei, in dem sie fragte: „Wofür geht das Geld der Leute drauf?“ Die Antwort lieferte sie gleich selbst mit: „Es sind die Abschlusskosten und hohe Verwaltungskosten“, sagte Klöckner und stellte klar: „Dafür hat man das Geld nicht angelegt.“  

Argumentativ ins gleiche Horn stieß auch Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag. Bartsch monierte, dass an der Riester-Rente lediglich die Versicherer verdienten würden und verwies darauf, dass die durchschnittliche Riester-Rente für den einzelnen Sparer lediglich 55 Euro im Monat betrage. Diese Zahl beruht auf Aussagen der Fondsgesellschaft Union Investment, bei der sich derzeit 47.000 Verträge in der Auszahlphase befinden. Die Fondsgesellschaft hatte jedoch auch bekannt gegeben, dass sich ein großer Anteil der Sparer zu Rentenbeginn bereits 30 Prozent der angesparten Summe auf einmal hatten auszahlen lassen, wodurch die monatliche Rente entsprechend gesunken sei. Zudem fiel auch die Ansparphase in der Regel recht kurz (zwischen 10 und 15 Jahren) aus. 

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