Betriebsrente: „Tarife sehen minimale Abschlusskosten vor“

Detlef Pohl Berater Versicherungen

Nach langem Vorlauf ist das erste Sozialpartnermodell nun unter Dach und Fach. Laut Fabian von Löbbecke, Talanx-Vorstand für bAV, wird es ohne Beratung nicht auskommen. Die Kosten dafür werden jedoch sehr gering sein. Wie das gelingen soll, verrät er im Interview.

Fabian von Löbbecke Bild: Talanx

Fabian von Löbbecke, Talanx-Vorstand für bAV und zugleich mitverantwortlich für „Die Deutsche Betriebsrente", die gemeinsame bAV-Marke von Zurich und Talanx Bild: Talanx

procontra: Sie betonen, dass das Sozialpartnermodell nicht ohne Beratung auskommt, aber mit sehr niedrigen Kosten. Sollen Berater gratis arbeiten?

Löbbecke: Sie sollen angemessen bezahlt werden. Provision und genaue Leistung sind im Rahmen der Tarifvertragsverhandlungen frei verhandelbar. Sicherlich werden dort hohe Kollektivstufen zum Einsatz kommen. Durch die großenteils digitale Informationsbeschaffung und Abwicklung erwarte ich einen deutlich geringeren Aufwand für den Makler, zumindest im Durchschnitt über das Kollektiv.

procontra: Prozessgesteuerte Software für das Kundengespräch und digitale Abwicklung vom Antrag zur Unterschrift ersetzen den Berater also nicht?

Löbbecke: Nein, wir geben Talanx-Mitarbeitern auch die Möglichkeit, sich an verschiedenen Stellen zu informieren und persönlich beraten zu lassen. Dabei nutzen wir die Expertise im Haus, beteiligen uns dadurch direkt an den Beratungskosten. Die tarifären Kosten für Arbeitnehmer haben wir deshalb minimalistisch angesetzt.

procontra: Die eingeschränkte Vergütung bei der alten bAV wird ja durch Masse und Folgegeschäft beim Arbeitgeber kompensiert. Soll das beim SPM auch so laufen?

Löbbecke: Ja, auch im SPM kann im besten Fall über einen oder gleich mehrere Arbeitgeber eine gleichgerichtete Versorgung beraten werden. Mitarbeiter können sich auch gegen das SPM und für die alte bAV entscheiden. Cross- und Upselling bleiben vom SPM völlig unberührt.

procontra: Wie sind Beratung und Vergütung konkret beim Tarifabschluss von Talanx mit verdi geregelt worden?

Löbbecke: Vereinbart ist eine E-Beratung durch Live-Webinare. Zudem erlaubt ein Arbeitnehmerportal individuelle Berechnungen. Fragen an ein Postfach werden von einem Expertenteam persönlich beantwortet. Die Tarife sehen minimale Abschlusskosten vor, als Prozentsatz des Zahlbeitrages, aber ohne interne/externe Provision.

procontra: Die reine Beitragszusage ist angesichts unhaltbarer Garantien bei der BZML alternativlos. Verstehen Sie, warum das BMF keine Lockerung anschiebt?

Löbbecke: Im Zuge der Rechnungszinssenkung ab 2022 wäre eine 80-Prozent-Garantie folgerichtig gewesen. Die Branche wird deshalb beitragsorientierte Leistungszusagen vor dem Kontext historisch niedriger Zinsen neu interpretieren und sicherlich ausweiten.

procontra:  Warum hat es im ersten SPM-Anlauf nicht zu einem Branchentarifvertrag für die Versicherungsbranche gereicht?

Löbbecke: Viele Versicherer scheinen im Rahmen ihrer eigenen Konzernverantwortung nicht auf das SPM zu setzen, sondern die klassischen Wege zu präferieren, da es gewachsene bAV-Strukturen gibt. Eine Branchenlösung hätte zudem bedeutet, ein Riesenkonsortium über viele Versicherer zu bilden. Ich bin froh, dass wir an vielen Stellen einfach nur für Talanx und Zurich verhandeln konnten. Das hat vieles einfacher gemacht.