Betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung: Sinnvoller Schutz oder überwiegen die Nachteile?

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Juristin Bettina Glaab sieht hingegen ein kaum zumutbares Haftungsrisiko für Unternehmen sowie zahlreiche Nachteile für die versicherten Arbeitnehmer, die sie im Folgenden erläutert:

Beides, die betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung (bBU) und die bBU in Kombination mit der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) ist eine Absicherung, von der Unternehmen aus verschiedenen Gründen abzuraten ist. Dies gilt für alle Durchführungswege, sowohl bei unternehmerischen als auch bei versicherungsförmigen Systemen. Das Haftungsrisiko ist für Unternehmen kaum zumutbar:

  • Die arbeitsrechtliche Zusage, die Versorgungsberechtigten erteilt wurde, deckt sich nicht immer mit den Leistungen, die sich aus dem mit der Versicherung geschlossenen Vertrag ergeben. So können Arbeitgeber gegenüber Versorgungsberechtigten zur Zahlung verpflichtet sein, die Versicherung kann jedoch berechtigte Ablehnungsgründe haben, sodass das Unternehmen trotz Rückdeckungsversicherung haftet.

  • Die Beiträge für eine BU-Absicherung können zwar im Rahmen einer bAV aus dem unversteuerten Bruttogehalt bezahlt werden, aber korrespondierend dazu ändert sich die steuerliche Behandlung im Leistungsfall. Während bei einer privaten BU die Leistungen nur gering mit dem Ertragsanteil belastet werden, sind bei der bAV die BU-Leistungen in voller Höhe der Steuer zu unterwerfen.

  • Beim Ausscheiden aus dem Unternehmen haben Versorgungsberechtigte je nach Versicherungstarif trotz jahrelanger Beitragszahlungen unter Umständen keinen BU-Schutz mehr. Ohne ein versicherungsvertragliches Verfahren – also die schuldbefreiende Übertragung des Vertrags auf den Arbeitnehmer – besteht jedoch weiterhin ein arbeitsrechtlicher Anspruch gegenüber dem Arbeitgeber ohne entsprechende Rückdeckung. Bei der U-Kasse ist naturgemäß ein versicherungsvertragliches Verfahren nicht möglich.

  • BU-Leistungen aus der betrieblichen Altersversorgung unterliegen auch der Krankenversicherung. Die Leistung wird dadurch zusätzlich geschmälert.

  • Gesundheitliche Themen, sei es im Antrag oder auch im Leistungsfall, können kaum dem Arbeitgeber gegenüber verschwiegen werden. Nicht jeder Arbeitnehmer ist aus Gründen des Datenschutzes zu dieser Transparenz bereit, die durchaus auch zu seinem Nachteil sein kann.

  • Bei verbundenen Verträgen (bAV und BU) ist es meist nicht möglich, die Beiträge in bestimmten Zeiten auszusetzen, ohne den BU-Schutz zu verlieren oder stark zu mindern. Notwendige Flexibilität geht hier verloren.

  • Ein gut aufgeklärter Arbeitgeber wird einen bestehenden BU-Vertrag aus Haftungsgründen kaum übernehmen. Schließt der Arbeitnehmer eine BU dann privat ab, wird es aufgrund des höheren Eintrittsalter teurer.

Daher ist Unternehmen von einer betrieblichen Absicherung des BU-Risikos grundsätzlich abzuraten. Eine BU sollte ausschließlich privat abgeschlossen werden.

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