Betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung: Sinnvoller Schutz oder überwiegen die Nachteile?

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Den BU-Schutz über den Arbeitgeber mit der bAV zu kombinieren, bringt laut Stefan Opel, Bereichsleiter Leben bei der Gothaer, viele Vorteile mit sich. Komplett gegenteilig sieht das in unserem Format pro/contra Rechtsanwältin Bettina Glaab von der Authent-Gruppe.

Stefan Opel, Bereichsleiter Leben bei der Gothaer, sieht in der bBU unter anderem Vorteile für körperlich Tätige. Juristin Bettina Glaab sieht hingegen ein kaum zumutbares Haftungsrisiko für Unternehmen. Bild: Gothaer/Authent Gruppe; Fotomontage: procontr

Stefan Opel, Bereichsleiter Leben bei der Gothaer, sieht in der bBU unter anderem Vorteile für körperlich Tätige. Juristin Bettina Glaab sieht hingegen ein kaum zumutbares Haftungsrisiko für Unternehmen. Bild: Gothaer/Authent Gruppe; Fotomontage: procontra

Die finanzielle Absicherung der Berufsunfähigkeit gilt als besonders wichtiger Schutz. Obwohl dabei die Arbeitskraft der Menschen im Mittelpunkt steht, werden die Policen ganz überwiegend privat abgeschlossen. Doch mit der betrieblichen Berufsunfähigkeitsversicherung (bBU) gibt es auch die Möglichkeit, dies über den Arbeitgeber mit der betrieblichen Altersversorgung (bAV) zu koppeln. Stefan Opel, der mit der Gothaer Lebensversicherung zunehmend in diesen Markt drängt, erläutert im Folgenden die Vorteile eines solchen Kombimodells:

Betriebliche BU-Absicherung: Die Vorteile überwiegen

In der Beratungspraxis wird manchmal die Meinung vertreten, es sei besser, eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit nur privat vorzunehmen. Als Argumente werden in aller Regel die Versteuerung und Verbeitragung der Leistungen bei der betrieblichen BU, das „Reservieren“ der Grenzen nach §3/63 EStG für die Altersvorsorge sowie insbesondere das „Mitnehmen zum nächsten Arbeitgeber“ angeführt.

Alle diese Punkte mögen – je nach genauer Fallkonstellation – ihre Berechtigung haben. Daher raten wir in aller Regel dazu, neben zum Beispiel einer Direktversicherung SBU auch eine private BU-Möglichkeit mit den gleichen Vorteilen (rabattierter Preis, einfacher Zugang mit wenigen Gesundheitsfragen) im Konzept vorzusehen. So können diejenigen, die etwa die Höchstbeiträge nach §3/63 EStG bereits ausgeschöpft haben, sich zumindest privat zu vorteilhaften Konditionen absichern.

Für alle übrigen – und das wird in aller Regel die große Mehrheit der Beschäftigten sein – können hingegen die Vorteile einer Absicherung in der bAV genutzt werden, insbesondere:

  • Der in der Regel deutlich tiefere Steuersatz in der Einzahl- vs. Leistungsphase;
  • Die Zuschüsse des Arbeitgebers zu einer Direktversicherung, die auch hier gelten;
  • Vorteilhafte Berufsgruppeneinstufungen, auch für körperlich Tätige;
  • Einfachste Beantragung mit sehr wenigen Gesundheitsfragen;
  • Daraus resultierend oft der Wegfall von Zuschlägen und Ausschlüssen.

Bei einer betrieblichen BU bietet sich der Durchführungsweg der Direktversicherung an, insbesondere sofern es sich um eine (mischfinanzierte) Entgeltumwandlung handelt. Hier kann bei einem Arbeitgeberwechsel – wie bei einer Direktversicherung in der Altersvorsorge auch – natürlich der Vertrag sowohl privat fortgeführt werden als auch der nächste Arbeitgeber, sofern er damit einverstanden ist, diesen Vertrag übernehmen. Und da der alte Arbeitgeber hier die versicherungsvertragliche Methode anwenden kann, sieht auch er sich keinen unnötigen Haftungsrisiken ausgesetzt. Dies gilt übrigens auch für rein arbeitgeberfinanzierte, günstige einjährige Absicherungen, die auch nach diesem Modell durchgeführt werden können.

In Summe wird der Makler und Arbeitgeber zur Durchführung der betrieblichen BU den richtigen Versicherer an seiner Seite benötigen. Dieser sollte insbesondere:

  • Neben betrieblichen auch die privaten BU-Verträge mit identischem Zugang (kaum Gesundheitsfragen, Einstufung kollektiver Berufsgruppen etc.) anbieten;

  • In der Leistungsphase unterscheiden können zwischen unversteuerten und versteuerten Beitragsteilen in der Direktversicherung-SBU: versteuerte Teile zum Beispiel aus privater Fortführung dürfen im Leistungsfall nur (wie eine private BU) mit dem geringen Ertragsanteil besteuert werden;

  • Und natürlich einen günstigen Preis sowie eine einwandfreie Historie bezüglich der Risikoüberschüsse in mindestens den letzten 20 Jahren aufweisen können.

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