Bafin will strengere Regeln für Nachhaltigkeitsfonds

Investmentfonds Berater Top News von Jan F. Wagner

Die Aufsicht argumentiert, dass die EU-Maßnahmen für die Fonds nicht reichen, um Anleger vor „Greenwashing“ zu schützen. Für die Fondsbranche gehen die Bafin-Vorschläge viel zu weit.

BaFin, Bild: Adobe Stock/nmann77

Die BaFin möchte deutsche Publikumsfonds, die als nachhaltig vermarktet werden, künftig schärfer regulieren. Bild: Adobe Stock/nmann77

Für die deutsche Fondsbranche schien die Regulierung von nachhaltigen Fonds bis vor kurzem geklärt zu sein. Die EU hatte gleich drei gesetzliche Maßnahmen eingeführt, die nicht nur die Nachfrage nach solchen Investments stimulieren, sondern auch Anleger ein Stück weit vor möglichem Etikettenschwindel oder „Greenwashing“ schützen sollten.

Für mehr Nachfrage nach den Investments soll zum einen die Nachhaltigkeitspräferenzabfrage (NPA) sorgen. Der Grund: Im Rahmen der NPA muss ein Finanzberater den Kunden fragen, ob er nachhaltig investieren will und wenn ja ihm das entsprechende Produkt anbieten. Die NPA tritt ab Herbst 2022 in Kraft. Zwecks Vermeidung von Greenwashing ist die seit März geltende EU-Transparenzverordnung zu nennen. Die Verordnung verpflichtet den Anbieter dazu, im Prospekt anzugeben, ob die Produkte eine nachhaltige Strategie verfolgen (Artikel 8) oder eine positive ökologische Wirkung anstreben (Artikel 9). Die Maßnahme sieht außerdem vor, dass der Anbieter offenlegt, inwieweit der Fonds nach der EU-Definition von Nachhaltigkeit investiert – auch bekannt als „Taxonomie“. Für die Taxonomie gibt es eine separate EU-Verordnung – die dritte Maßnahme also. 

Bafin-Standards enthalten 90-Prozent-Grenze

Doch damit nicht genug. Anfang Mai überraschte die Bafin die deutsche Fondsbranche mit ihren eigenen, strengen Qualitätsstandards für nachhaltige Fonds. Die Bafin schlägt zum Beispiel vor, dass ein nachhaltiger Fonds 90 Prozent des Vermögens in „nachhaltige Vermögensgegenstände“ investieren muss. Die Grenze wundert sehr, weil die Quote den Handlungsspielraum eines Fondsmanagers erheblich einschränkt und nachhaltige Fonds mit einem entsprechenden EU-Ökosiegel (ein marktwirtschaftlicher Standard) im Schnitt eine Grenze von 18 Prozent beinhalten. Doch zu der Unverhältnismäßigkeit des Bafin-Vorschlags gleich mehr.

Die Aufsicht begründet ihren Vorstoß damit, dass die EU-Maßnahmen nicht garantieren, dass Investmentfonds, die sich im Prospekt als nachhaltig bezeichnen, wirklich nachhaltig investieren. Die Gefahr von Greenwashing sei immer noch gegeben. „Die Offenlegungsverordnung und die Taxonomie-Verordnung treffen keine Aussage darüber, wann ein Investmentvermögen im Namen als nachhaltig bezeichnet werden kann beziehungsweise wie dessen Anlagebedingungen auszugestalten sind. So findet sich in diesen Vorschriften beispielsweise keine Mindestquote an nachhaltigen Investitionen oder Vermögensgegenständen“, teilte ein Bafin-Sprecher auf Anfrage mit.

Nachhaltige Fondsexperten geben der Behörde in dieser Hinsicht recht. Während die Offenlegungsverordnung einer Dokumentationspflicht gleichkommt - das heißt der Anbieter erklärt die Art des nachhaltigen Fonds und dessen Strategie - regelt sie die Frage des Investierens nicht. Da Verbraucherschutz zu den Kernaufgaben der Bafin gehört, will sie verhindern, dass zum Beispiel nichts ahnenden Privatanlegern ein „nachhaltiger“ Fonds angeboten wird, der letztendlich keine rigorose nachhaltige Strategie hat.

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