Auf Knopfdruck Nachhaltigkeit

Investmentfonds von Heike Gorres

Immer mehr Robo-Advisor bieten Geldanlangen unter dem Label Nachhaltigkeit an. Die Konzepte stecken noch in den Kinderschuhen, wie auch bei zahlreichen „klassischen“ Anbietern. In den kommenden Jahren dürften weit differenziertere Angebote hinzukommen – der Bedarf an persönlicher Beratung wird dadurch nicht aufgehoben.

nachhaltige Robo-Advisor, Bild: Adobe Stock/Alexander Limbach

Robo-Advisor treffen Anlageentscheidungen größtenteils per Algorithmus. Dabei berücksichtigen sie immer häufiger auch Umwelt- und soziale Aspekte. Bild: Adobe Stock/Alexander Limbach

„Nachhaltigkeit“ und „Ökologie“ sind aus der Kapitalanlage nicht mehr wegzudenken. Immer mehr Anleger möchten nicht nur eine finanzielle Rendite erzielen, sondern ihr Geld auch dorthin lenken, wo es aus ihrer Sicht einen positiven Beitrag leistet – oder zumindest keinen allzu negativen Effekt unterstützt. Immer mehr Anbieter bestücken ihre Produktpalette mit Anlagemöglichkeiten, die den Nachhaltigkeits- oder Ökologiegedanken adressieren. Mittlerweile bieten auch immer mehr Robo-Advisor, wörtlich übersetzt Roboter-Berater, Produkte zu diesem Themenspektrum an. Robo-Advisor bieten eine digitalisierte und automatisierte Finanzdienstleistung mittels Computertechnologie, über die Kunden online Anlagevorschläge einholen und Geld anlegen können. Ein persönlicher Kontakt zu einem Menschen als Berater ist mit dieser Technologie nicht mehr notwendig. Die häufig auch als digitale Vermögensverwalter bezeichneten Robo-Advisor bieten allerdings vielfach persönliche Rücksprache als Zusatzleistung an.

Einer der etablierteren Vertreter mit einem Nachhaltigkeitsangebot ist Quirion. Dieses Angebot setzt der Robo-Advisor mit ETF, also börsengehandelten Fonds, die einen Index abbilden und mit indexnahen Fonds um. Hierfür kommen von Quirion ausgewählte Aktien- und Anleihenfonds zum Einsatz, die auf der Website gelistet sind. Die grundlegenden Kriterien, nach denen die Fonds ausgewählt sind, legt der Anbieter ebenfalls auf seiner Homepage dar. Ein Kriterium ist demnach der Ausschluss von Unternehmen als Anlageziel, die Landminen, Streumunition oder Atomwaffen herstellen und/oder die gegen den Global Compact der Vereinten Nationen verstoßen. Der Global Compact ist eine Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung, bei der zum Beispiel Firmen sicherstellen sollen, dass sie sich nicht an Menschenrechtsverletzungen mitschuldig machen.

ESG-Standards sind bislang das A und O

Ein weiteres Kriterium ist die ESG-Qualität der Unternehmen. Diese Bewertung soll zeigen, wie sie in den Bereichen Umwelt (Environment), Soziales und Unternehmensführung (Governance) abschneiden. Für diese Einstufung nutzt Quirion Daten des US-Rating- und Researchanbieters MSCI ESG Research. Bei der Auswahl der Fondsanbieter achtet der Finanzdienstleister eigenen Angaben zufolge ebenfalls auf deren Nachhaltigkeitsverhalten.

Welche der ausgewählten Fonds in welcher Gewichtung letztlich in ein Kundenportfolio fließen, hängt von den Angaben des Anlegers ab. Der Robo-Advisor fragt für einen Anlagevorschlag Punkte wie Höhe, Dauer und Zweck der Kapitalanlage, Vermögensstand und monatliches Einkommen, finanzielle Risikobereitschaft, Kenntnis und Erfahrung im Bereich Kapitalmarkt, Wichtigkeit von Nachhaltigkeit bei der Geldanlage und ähnliches ab. Zum Schluss folgt ein konkretes Angebot mit einer Liste der im Portfolio enthaltenen Fonds, deren ESG-Bewertung und Gewichtung, der ESG-Bewertung des Portfolios und den Konditionen.

„Der Anteil der Anlageklassen, die ökologische und/oder soziale Merkmale berücksichtigen, unterscheidet sich je nachdem, wie hoch der Anteil an Aktien beziehungsweise Anleihen im Depot ist, liegt aber bei mindestens 95 Prozent“, erläutert der Dienstleister auf der Website. Der Anteil an Investitionen außerhalb dieser Merkmale kann somit bis zu fünf Prozent eines Portfolios ausmachen.

Dies begründet Quirion damit, „Nachhaltigkeit auch in der Wertentwicklung sicherzustellen“, also auch über breitere Anlagemöglichkeiten Rendite erwirtschaften zu können.

Die Websites der Anbieter sind unterschiedlich transparent

Ein anderer größerer Robo-Advisor, der in seinem Nachhaltigkeitsangebot Ausschlusskriterien anwendet, ist der österreichische Savity. EU-Bürger können den Anbieter ebenfalls nutzen; die Steuererklärung und Besteuerung läuft über das heimische Finanzamt. Auch Savity erläutert die grundlegende Vorgehensweise bei der Produktauswahl für die Nachhaltigkeitsstrategie auf der Homepage und setzt das Angebot über ETF und aktiv gemanagte Investmentfonds um. Die einzelnen Fonds sind nicht auf der Website verzeichnet, dafür eine Übersicht über die möglichen Anlageklassen und Produktanbieter. Ein Anlagevorschlag zeigt eine Übersicht der für das Anlegerportfolio zusammengestellten Fonds, deren Gewichtung, bisherige Wertentwicklung und die Konditionen.

Ausgeschlossen sind laut Website unter anderem Investments in Waffenindustrie, Glücksspiel, Pornografie, Tabak und Alkohol, Atomindustrie, Kohleabbau und Nutzung von Kohle zur Energieversorgung. „Savity strebt grundsätzlich in der Einhaltung der Ausschlusskriterien maximal fünf Prozent des Umsatzes in solchen Sektoren an“, informiert der Anbieter auf der Homepage. Bei Atomenergie und Kohle betont er Nulltoleranz auf Unternehmensebene; auf Länderebene über Staatsanleihen sind die Sektoren nicht ausgeschlossen.

Als Mindestanforderung für Anlagen in einem Fonds gelten Standards wie der UN Global Compact, die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen und andere, die Firmen oder Staaten einhalten müssen. Für die weitere Fondsauswahl wendet der Dienstleister einen Best-in-Class-Ansatz an, der die Nachhaltigkeit von Firmen und Branchen innerhalb einer Vergleichsgruppe berücksichtigt. Grundlage sind ESG-Kriterien und weitere Standards, die ebenfalls auf der Website hinterlegt sind. Dazu zählen etwa das FNG-Siegel des Verbands für nachhaltige Geldanlagen, das EU Ecolabel für Finanzprodukte und das Lux-Flag-ESG-Label der Luxemburger Finanzlabelagentur.

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