Altersvorsorge: Was der Start ab Geburt bringen würde

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache

Geht es um zusätzliche Altersvorsorge, wird oft fehlende Liquidität vorgeschützt. Mit einer neuartigen Vorsorge schon ab der Geburt ließe sich das Problem mit Staatshilfe leicht lösen. Ein Ruhestandsplaner im Ruhestand rechnet für die Politiker vor.

1.000 Euro Willkommensgeld vom Staat für jedes Neugeborene und dann zehn Euro aus dem Kindergeld bzw. späterem Vermögen würden reichen, um spürbare Altersversorgung zu schaffen, sagt Ex-Vermittler Albrecht Friedel. Bild: privat

1.000 Euro Willkommensgeld vom Staat für jedes Neugeborene und dann zehn Euro aus dem Kindergeld bzw. späterem Vermögen würden reichen, um spürbare Altersversorgung zu schaffen, sagt Ex-Vermittler Albrecht Friedel. Bild: privat

Albrecht Friedel (70), ein früherer Finanzberater und Ruhestandsplaner aus dem hessischen Gründau, wartet auch in seinem eigenen Ruhestand noch mit Ideen gegen Altersarmut auf, die jeder Partei im Bundestagswahlkampf gut zu Gesicht stünden. „Die Unterscheidung in Erwerbsphase und Rentenphase ist gängig, was aber passiert von der Geburt bis zum Berufsbeginn?“, fragt er kürzlich in der FAZ und gab die Antwort gleich selbst: „Nichts! Diese Zeit ist vergeudet.“

Friedel will das ändern und schlägt Politikern eine vierte Säule der Altersversorgung vor. Sie soll beitrags- und einkommensunabhängig finanziert sein und sich aus dem Zinseszins einer Geldanlage speisen, die schon mit der Geburt beginnt. 1.000 Euro Willkommensgeld für jedes neugeborene Kind vom Staat und dann zehn Euro aus dem Kindergeld, 120 Euro im Jahr, würden nach seiner Rechnung dafür ausreichen. Das summiert sich häufig auf 4.000 Euro je Bürger. Den Großteil des Kindergeldes von inzwischen 219 bis 250 Euro pro Kind und Monat könnten die Eltern dann weiter zum Lebensunterhalt einsetzen.

Effekte bereits ab der Geburt

Wenn das Kindergeld ausläuft, spätestens mit 25, sollen die Bürger ihre zehn Euro pro Monat selbst aufbringen – bis sie 60 sind, macht nochmals höchstens 4.200 Euro, insgesamt also 8.200 Euro. „Das ist für alle Beteiligten machbar“, rechnet Friedel für procontra vor. Auch für den Staat: Für die Riester-Förderung, gebe der Staat derzeit mehr als zwei Milliarden Euro im Jahr als Förderung aus. Kritiker bemängeln, dass vor allem Finanzvertriebe davon profitierten. „Vertriebskosten könnten je nach Modell-Umsetzung entfallen oder wesentlich reduziert werden“, sagt Friedel. Mit wenig Aufwand hätte man einen großen Nutzen.

Doch entscheidend sind nach seiner Einschätzung nicht die Kosten. „Der Vorteil des frühen Beginns ist der Zinseszinseffekt, den unterschätzen die Leute“, sagt er. Bei 60 Jahren Anlagehorizont seien Anleihen und Bargeld verzichtbar. Aktien sollten international diversifiziert sein. Eine solche Anlagepolitik sei mit der Riester-Rente durch die vorgeschriebene Nettobeitragsgarantie nicht möglich.

Aus Riester-Fehlern lernen

Man zwinge Riester-Produktgeber noch immer, weiter in Anleihen mit schlechter Verzinsung zu investieren. Eine Riester-Reform ist vorerst gescheitert, obwohl die parteienübergreifende Rentenkommission eine modifizierte Garantie vorgeschlagen hatte - mit angemessenem Verhältnis von Renditechancen, Sicherheiten und Risiken statt der bisherigen vollen Beitragsgarantie.

Friedel, der die Zulassung nach Paragraf 34f GewO besitzt, präferiert dabei Investmentfonds wegen der breiten Streuung der Aktien. Seit einigen Zeit hat er dazu Musterportfolios eingerichtet, darunter auch für sein Enkelkind. Dabei besteht die Chance, langfristig deutlich zweistellige Renditen pro Jahr zu erzielen – trotz Corona-Crash auch in jüngster Zeit. „Hätte ich da Garantien gehabt, hätte ich den zwischenzeitlichen Aufschwung nicht mitnehmen können“, sagt er.

Jeder, der in Deutschland geboren wird, sollte einen Anspruch auf die vierte Säule haben, hofft Friedel. Bisher gibt es noch keine Reaktionen aus der Politik. Das politische und regulatorische Umfeld scheint für eine nachhaltige Aktienkultur noch nicht förderlich zu sein. Friedel wünscht sich, dass die Förderung nicht wieder nur an versicherungsförmigen Lösungen festgemacht wird, sondern mit einfachen Mitteln kostengünstig und renditestark organisiert wird.