Altersvorsorge: Vehemente Forderung nach Reformen

Martin Thaler Investmentfonds Versicherungen

Deutschland diskutiert über die Rente – nun mischt auch BVI-Präsident Thomas Richter mit, der tiefgreifende Reformen der Altersvorsorge einfordert. Nicht nur die gesetzliche Rente gehört dabei überarbeitet, auch bei der privaten Altersvorsorge präsentiert Richter Ideen.

BVI-Präsident Thomas Richter. Bild: BVI

Macht sich für umfangreiche Reformen in der Altersvorsorge stark: BVI-Präsident Thomas Richter. Bild: BVI

Über die Zukunft der Altersvorsorge wird derzeit viel geredet – nur reformiert wird in der jüngeren Vergangenheit eher wenig. Dabei ist der Reformbedarf groß, wie jüngst eine Studie aus dem Bundeswirtschaftsministerium unterstrich.  

Hält die Bundesregierung an den gezogenen Haltelinien fest, droht aufgrund der demografischen Entwicklung eine Kostenexplosion, rechnete der wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums vor: Statt wie heute 25 Prozent würden im Jahr 2060 die Steuerzuschüsse für die gesetzliche Rente rund 60 Prozent ausmachen. Reformen seien deshalb dringend notwendig, lautete die Schlussfolgerung – anpacken könne man hier beim Rentenniveau, bei den Beiträgen oder beim Renteneintrittsalter.  

"An Reformen führt kein Weg vorbei"

Insbesondere der Vorschlag, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, sorgte bei Politikern sämtlicher Parteien für schnellstmöglichen Protest – zu unpopulär erscheint diese Maßnahme bei den Wählern.  

Unterstützung bekommen die Wissenschaftler nun von Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Fondsverbandes BVI. „An einer Reform der Altersvorsorge führt kein Weg vorbei, das sollte inzwischen jedem klar sein. Die Wissenschaft liefert eine Steilvorlage für eine ehrliche Debatte, die wegen des Wahlkampfs aber nicht geführt wird“, schreibt Richter auf der Seite des Verbands.

Lediglich das Renteneintrittsalter anzuheben und zu glauben, damit das Rentensystem wieder in die richtige Spur gerückt zu haben, greift allerdings auch für Richter zu kurz. Stattdessen fordert er ein Gesamtkonzept für die Altersvorsorge in Deutschland. Hierbei plädiert Richter für die Ergänzung der gesetzlichen Rente um eine kapitalgedeckte Komponente. „Damit würden zusätzliche Ertragschancen des Kapitalmarktes genutzt und die Steuerzahler entlastet“, argumentiert Richter.  

Reform der privaten Altersvorsorge

Daneben sei jedoch auch eine Reform der privaten Altersvorsorge dringend geboten, fordert Richter. Zwar hatte sich die Große Koalition die Reform der strauchelnden Riester-Rente in den Koalitionsvertrag geschrieben, eine Einigung zwischen den beiden Koalitionspartnern war jedoch ausgeblieben. Dabei ist der Reformbedarf aufgrund der Senkung des Höchstrechnungszinses enorm – viele Versicherer haben bereits angekündigt, ohne Reformierung der hundertprozentigen Beitragsgarantie bei der Riester-Rente diese nicht mehr anbieten zu wollen.  

Entsprechend plädiert auch Richter in seinem Statement für „flexible Garantien“ sowie „radikale Vereinfachungen“. Bereits Ende vergangenen Jahres hatten einige Verbände, unter ihnen der BVI, mit einem Brandbrief Änderungen bei der Riester-Rente in ihrem Sinne eingefordert – vergeblich.  

Eine weitere Forderung von Richter ist die Erhöhung des Sparerpauschbetrages: Dieser liegt derzeit bei 801 Euro, sollte aber, wenn es nach dem BVI-Chef geht, besser auf 1.000 Euro erhöht und dann an die künftige Inflation und Lohnentwicklung gekoppelt werden. Zudem sollten Pauschbeiträge, die in einem Jahr nicht vollständig verbraucht worden sind, angerechnet und aufs nächste Jahr übertragen werden können. „Das wären starke Anreize für die Kleinsparer, mehr und besser fürs Alter vorzusorgen“, glaubt Richter, der von der Politik nun grundsätzliche Reformen vehement einfordert: „Wir fordern endlich Taten!“, beendet Richter seine Stellungnahme. Mit dieser Forderung dürfte er nicht alleine sein.