7 Forderungen zur Verbesserung der Aktienkultur

Martin Thaler Berater Investmentfonds

Auch wenn viele Menschen 2020 Aktieninvestments für ihre Geldanlage entdeckten, besitzt nach wie vor gerade einmal jeder sechste Deutsche Aktien, Fonds oder ETF. Das Deutsche Aktieninstitut unterbreitete nun Vorschläge, was sich ändern muss.

Aktienkultur Bild: Pixabay/geralt

Das DAI will die Aktienkultur weiter stärken und präsentiert Forderungen an die Politik. Bild: Pixabay/geralt

Neben den vielen unzweifelhaft verheerenden Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie durchaus auch positive Effekte: Nicht nur, dass viele Deutsche im vergangenen Jahr ihre Lust am Radfahren entdeckten und ihr Auto dafür häufiger einmal stehen ließen, auch in Sachen Geldanlage zeigten sich mehr Bürger als sonst risikofreundlicher. So stieg die Zahl der Menschen, die in Aktien investierten, laut Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) im vergangenen Jahr um 2,7 Millionen – einen solchen Anstieg hatte es zuletzt vor 20 Jahren gegeben. Vor allem junge Menschen entdeckten die Wertpapiermärkte für sich.  

Dennoch: Noch immer besitzt lediglich jeder sechste Deutsche Aktien, Fonds oder ETFs. Im Hinblick darauf, dass die umlagefinanzierte staatliche Rente durch den demografischen Wandel weiter unter Druck gerät, fordert das DAI, die Aktienkultur in Deutschland gezielt zu stärken. In einem aktuellen Positionspapier präsentiert der Verband zahlreiche Forderungen an die Politik, mit denen das „Ökosystem Kapitalmarkt“ in Deutschland gestärkt werden soll. Interessant sind dabei vor allem die folgenden:

  • Um die Rente bzw. deren Finanzierung generationengerecht zu gestalten, soll die Bundesregierung die Altersvorsorge um ein Ansparverfahren mit Aktien ergänzen. Dabei spiele es aus Sicht des DAI keine Rolle, in welche der drei Säulen dieses Ansparverfahren integriert wird. Bürger sollen automatisch in Aktien investieren und nur willentlich mittels Opt-out-Verfahren widersprechen können. Auf diese Weise würden auch Geringverdiener vom Wirtschaftswachstum des Landes profitieren, glaubt das DAI.
  • Um das Aktiensparen für die Menschen attraktiver zu gestalten, brauche es kostengünstige und leicht verständliche, staatlich regulierte Standardprodukte. Diese sollen allerdings nicht vom Staat betrieben werden, sondern von Versicherern, Fondsgesellschaften etc.
  • Das DAI spricht sich gegen Garantien aus – diese würden die Erträge lediglich drastisch mindern und Anlagespielräume einengen.
  • Auch die Versteuerung von Aktiengewinnen möchte das DAI dringend angepasst sehen – denn im Bezug auf Aktien gebe es hier noch immer eine steuerliche Benachteiligung. So würden Erträge festverzinslicher Wertpapiere mit circa 28 Prozent besteuert, Aktienerträge jedoch mit 50 Prozent. Hier wünscht sich das DAI eine steuerliche Gleichbehandlung
  • Diese Gleichbehandlung soll auch in Bezug auf Haltedauern gelten. Zur Erinnerung: Bis 2009 waren Aktiengewinne dann steuerfrei, wenn die Wertpapiere länger als ein Jahr gehalten wurden. Diese Haltedauern gibt es auch heute noch, für Immobilien, Gold und Bitcoins, nicht aber für Aktien. „Es gibt keinen Grund, warum die Anlage in Aktien, also in Produktivkapital, das Arbeitsplätze sichert, steuerlich schlechter gestellt wird als Gold oder Bitcoin“, kritisiert das DAI.
  • Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer lehnt das DAI ab und bezeichnet diese als „Kleinanlegersteuer“, die eine dringend notwendige aktienbasierte Altersvorsorge verteuern würde. Nennenswerte Erträge für den Staat seien zudem nicht zu erwarten.
  • Das DAI fordert, finanzielle Bildung stärker in die Lehrpläne der Schulen zu integrieren – am besten in Form eines eigenen Schulfaches „Ökonomie“. Zwar gebe es bereits heute Doppelfächer wie Politik-Wirtschaft – ökonomische Inhalte blieben hier aber ein Feigenblatt. Darüber hinaus empfiehlt das DAI einen Blick ins Ausland, beispielsweise in die USA, die Niederlande oder Großbritannien die „eine nationale Agenda der finanziellen Bildung“ aufgelegt hätten. „Zusammenhänge wie der Aufbau des Wirtschaftssystems und grundlegende Funktionsweisen im alltäglichen Finanzleben werden an den Schulen vermittelt“, beschreibt der DAI und fordert, vom Ausland zu lernen.    

Weitere Forderungen umfassen darüber hinaus eine finanzierungsfreundliche Auslegung des Aktienrechts (bspw. durch eine erleichterte Aufnahme von Eigenkapital durch die Firmen), eine Modernisierung der Jahreshauptversammlungen (bspw. durch die Verankerung virtueller Hauptversammlungen als gleichwertige Alternative) und abgestimmte europäische Initiativen statt nationaler Alleingänge beim Thema Nachhaltigkeit.

Das gesamte Positionspapier finden Sie hier.