Wohngebäudeschutz: Probleme für Problemkunden

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„Leider wird Ihr Antrag von der Gothaer nicht angenommen“, heißt es noch relativ freundlich bei Check24.de. Bei der Eingabe von drei Schäden blieb nämlich im Test nur noch die Gothaer als Anbieter übrig, während bei mr-money.de noch auf zehn Anbieter zugegriffen werden konnte. Zumindest bei Portalen scheint es dann doch im Gegensatz zu der Behauptung von Check24.de Unterschiede in den Annahmerichtlinien zu geben. In seiner grundsätzlichen Ablehnung behauptet Check24.de trotzdem, dass Alternativangebote geprüft worden wären – aber erfolglos. Gleichzeitig verweist der Online-Makler auf die Kundenberatung.

Nach Erkenntnis von Boudon würden Kunden, die an ihrem Wohngebäude drei Schäden innerhalb von drei Jahren hätten, in der Regel abgelehnt und wären unversicherbar. Abhängig sei das aber stark von der Schadenart. „Drei Leitungswasserschäden sind zum Beispiel schwerwiegender als drei Sturmschäden. Da können auch Versicherungsmakler mit kumpelhaften Verbindungen zum Versicherer nichts machen und ihn unterbringen. Wir lehnen die Kunden nur ab, die niemals eine Versicherung bekommen würden“, so Boudon.

Online-Makler zielen auf den Standardvorgang

Natürlich gebe es immer wieder Einzelfallentscheidungen. Doch in der Regel dürften die Kunden – die eine so lange Antragsstrecke hinter sich gebracht haben und dann scheitern – vielfach nicht gewillt sein, sich an die Kundenberatung des Portals zu wenden. Hier dürfte es große Unterschiede zwischen digitaler und analoger Versicherungsberatung geben. So dürfte es wohl kaum im Interesse von Vergleichsportalen liegen, sich individuell und sehr aufwändig mit schadenbelasteten Risiken zu beschäftigen. Aus Kostengründen zielen Online-Makler wohl in ihren schlanken und digitalisierten Prozess grundsätzlich auf den Standardvorgang.

„Kumpelhafte“ Verbindung zwischen Makler und Versicherer könnte schon abwertend, im Sinne von Klüngelei verstanden werden“, kommentiert Björn Haag vom Versicherungsmakler Richard Böck aus München die Aussagen von Check24. Tatsächlich sei es aber selbstverständlich nicht anrüchig, wenn Makler als Interessenvertreter ihrer Kunden, Expertise und Marktmacht gegenüber dem Versicherer einsetzen würden, um ein sinnvolles und für alle Parteien vertretbares Angebot zu erhalten. Das könne ja auch Check24 machen.

Makler: Mehr als nur Bedienung des Vergleichrechners

Ein solches Vorgehen wäre aber für den Online-Broker kaum wirtschaftlich, glaubt Haag. „Wir können zahlreiche Fälle nachweisen, in denen wir sogar bei einer sehr hohen Schadenfrequenz Versicherungsschutz beschaffen konnten“, so der Makler. Allerdings natürlich in der Regel zu höheren Beiträgen oder Selbstbeteiligungen. Haag: „Für ein schadenbelastetes Risiko ist jedoch ein wesentlich höherer Aufwand und eine individuelle Betrachtung erforderlich.“

Das sieht auch Björn Olbrich, Geschäftsführer der TBO Versicherungsmakler GmbH aus Kaarst so. Die Aussage von Check24 sei genauso richtig wie falsch. Der Vergleichsrechner des Internetmaklers habe wohl keine strengeren Regeln bei den Vorschäden, wie es sie auch bei den Vergleichsrechnern gebe, mit denen Versicherungsmakler arbeiten. Olbrich: „Aber: Die Arbeit eines Versicherungsmaklers geht über die Bedienung eines Vergleichsrechners hinaus. Das ist zumindest unser Anspruch.“ Vorschadenbelastete Verträge würden mit Versicherern verhandelt und dadurch könnten bessere Ergebnisse erzielt werden. „Das kann ein Vergleichsportal im Zweifel nicht leisten“, so Olbrich.

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