Wann muss die Wohngebäudeversicherung leisten, wann nicht?

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt

Knapp jede zehnte Beschwerde, die den Ombudsmann 2020 erreichte, drehte sich um die Wohngebäudeversicherung. Wann der Ombudsmann Abhilfe schaffen konnte und wann die Versicherer zurecht die Leistung kürzten, zeigen drei Schadenbeispiele.

Gebäudeversicherung Bild: Adobe Stock/Dan Race

Ein Schaden am Eigenheim kann schnell sehr teuer werden und für Streit zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer führen. Bild: Adobe Stock/Dan Race

Das Geschäft mit Wohngebäudeversicherungen ist weiter schwierig für viele Versicherer – bei vielen Anbietern übersteigen die Ausgaben die Beitragseinnahmen. Vor allem Leitungswasserschäden werden zu einem immer größeren Kostenfaktor. Entsprechend steigt der Druck auf die Versicherer, die Ausgaben zu reduzieren – eine strengere Prüfung der Leistungsfälle kann hier als ein geeignetes Mittel angesehen werden.  

Eine restriktivere Leistungspolitik lässt sich allerdings nicht aus den Beschwerdezahlen des Versicherungsombudsmannes herauslesen. Insgesamt 1.197 zulässige Beschwerden zur Gebäudeversicherung erreichten Dr. Wilhelm Schluckebier im vergangenen Jahr und damit beinahe genau so viele wie 2019 (1.206), jedoch deutlich weniger als noch 2018 (1.456). Nach wie vor geht dreht sich damit knapp jede zehnte zulässige Beschwerde um die Gebäudeversicherung.  

Nässeschäden werden zum Problem

Nach wie vor ist die Frage, ob ein Leistungsfall vorliegt, Schwerpunkt der eingegangenen Beschwerden. Viele Eingaben thematisierten dabei auch im vergangenen Jahr das Thema Nässeschäden, die infolge von undicht gewordenen Silikonfugen von Duschkabinen oder Badewannen entstehen, wie Schluckebier in seinem vergangene Woche vorgelegten Jahresbericht schreibt.  

Nach wie vor ist die Frage, ob es sich hierbei um einen bestimmungswidrigen Leitungswasseraustritt und damit einen Versicherungsfall handelt, rechtlich umstritten, die Entscheidungen der Gerichte fallen höchst unterschiedlich aus.  

Für den Versicherungsombudsmann ist dies eine schwierige Lage, da sich die Versicherer stets auf ein für sie günstiges Urteil beziehen können. Allerdings hebt Schluckebier in seinem Jahresbericht positiv hervor, dass jedoch erste Versicherer dazu übergegangen sind, Versicherungsschutz für diese Schäden anzubieten und dies in ihren Versicherungsbedingungen auch klar formulieren.  

Versicherungsnehmer sollten – um unliebsame Überraschungen auszuschließen – jedoch verhindern, dass es zu einem Versicherungsfall kommt, mahnt Schluckebier. Hierbei helfe es, regelmäßig die Silikonfugen in den Sanitärräumen auf Risse zu überprüfen und gegebenenfalls zu erneuern.  

Welche Fälle den Ombudsmann darüber hinaus beschäftigten, lesen Sie in der untenstehenden Bilderstrecke.

Versichert oder nicht – Wie würden Sie entscheiden?

Das sanierungsbedürftige Abwasserrohr
Eine Frau bemerkte, dass das Wasser in ihrem Haus nur noch schlecht ablief. Eine Inspektion ergab, dass die Abwasserleitung außerhalb des Gebäudes gebrochen sowie abgesackt war. Der Hausbesitzerin wurde empfohlen, den Kanal auf einer kürzeren Strecke neu zu verlegen. Kosten: 12.000 Euro. Kein Problem, dachte sich die Frau, Bruchschäden an Ableitungsrohren waren schließlich bis zu 10.000 Euro versichert.Die Versicherung wollte jedoch lediglich einen Betrag von 4.100 Euro regulieren. Ein von ihr beauftragter Prüfer erklärte, dass Teile der Reparatur durch das sogenannte Inlinerverfahren durchgeführt werden könnten. Hierbei wird ein Kunststoffschlauch im Bereich der Bruchstelle in das Rohr eingebracht und anschließend gegen die Innenwand gedrückt und ausgehärtet. Vorteil: Durch das Verfahren entfallen die Kosten für das Freilegen und den Austausch der beschädigten Rohrleitung. Die Frau war hiermit allerdings nicht einverstanden und erhielt Rückendeckung vom Ombudsmann. Dieser verwies unter anderem auf die Absackungen – aufgrund des Versatzes sei ein ordnungsgemäßes Abfließen des Abwassers nach der Sanierung nicht zu erwarten gewesen, das Inlinerverfahren sei somit nicht geeignet. Die Versicherung lenkte ein und leistete die vereinbarte Höchstentschädigung von 10.000 Euro. Bild: Adobe Stock/pomchathong007