Ruhestandsplanung: Vermögen mit „Töpfchen“ genießen

Detlef Pohl Berater Top News

Haken und Ösen bei Sofortrente und Immobilie

Eine Alternative ist die Anlage der 500.000 Euro in eine vermietete Immobilie, davon 10 Prozent in die Anschaffungsnebenkosten. Kommen dabei 18.000 Euro Jahresmiete vor Steuern (16.000 Euro nach Steuern) heraus und die Miete steigt jedes Jahr um 1,0 Prozent, gibt es im Schnitt knapp 1.500 Euro Monatsrente davon. Am Ende könnte die Wohnung 580.000 Euro wert sein; das macht nach Looman 3,92 Prozent Rendite pro Jahr.

Ursache für die Differenz bei den Erträgen von knapp 400 Euro zugunsten der Sofortrente: Bei der Sofortrente wird das Geld verzehrt, bei der Immobilie dagegen vermehrt“, so Looman. Da braucht es schon vor dem Start eine Grundsatzentscheidung. Fast 95 Prozent wünschen sich den Erhalt des Kapitals, weiß der Finanzanalytiker aus vielen Gesprächen. Sein Tipp: „Gehören Sie zur Fraktion der Genügsamen, rate ich zur Immobilie, gehören Sie zu den Lebenshungrigen, muss man sich Mischungen aus Aktien und Anleihen mit Kapitalverzehr ansehen“, so Looman.

Der totale Kontrast zur Sofortrente sind 100 Prozent Aktien. Bei 6,0 Prozent vor Steuern und 4,42 Prozent nach Steuern stiege die Zusatzrente von 1.900 Euro (Sofortente) auf 2.730 Euro (Aktienrente). Wer den Schneid dazu hat, benötigt nur eine Direktbank und drei Indexfonds, so der Finanzanalytiker.

Mischung aus Aktien und Anleihen alle 10 Jahre „umtopfen“

Die meisten scheuen jedoch dieses Risiko. Daher wäre es in Loomans Augen schon ein Fortschritt, wenn das Ehepaar 250.000 Euro einfach zum Lebensgenuss verbraucht und nur die andere Hälfte in Aktien investiert. Dazu rät er zu vier „Töpfchen“, die zeitversetzt zu füllen sind und zu rund 2.300 Euro Zusatzrente bis zum Alter von 90 Jahren führen:

  • Topf 1: 266.000 Euro in risikoarme Anlagen für zehn Jahre, etwa Tagesgeld oder Indexfonds mit Anleihen kurzer Restlaufzeit, um das Leben zu bestreiten (Kapitalverzehr).
  • Topf 2: 234.000 Euro in Aktien-Indexfonds, die in den ersten 10 Jahren nicht angerührt werden und dadurch auf 361.000 Euro anwachsen könnten.
  • Topf 3: Ab elftem Jahr werden von den Aktien-Indexfonds wieder 266.000 Euro in Anleihen-Indexfonds oder Tagesgeld umgeschichtet, um davon weitere 10 Jahre wieder 2.300 Monatsrente auszugeben (Kapitalverzehr).
  • Topf 4: 95.000 Euro bleiben ab elftem Jahr in Aktien-Indexfonds, die sich nach weiteren 10 Jahren auf rund 146.000 Euro vermehrt haben könnten und dann verkauft werden, um bis 90 wieder 2.300 Euro Zusatzrente zu bekommen.

Am Ende bleiben, wenn Looman sich nicht verrechnet hat, noch 11.000 Euro übrig, die "für ein einfaches Begräbnis im kleinen Kreis ausreichen sollten". Und falls nicht, sind ja noch das Eigenheim und die gesetzliche Rente da.

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