Riester-Rettung: Wird das noch etwas?

Stefan Terliesner Versicherungen Top News Meistgeklickt

Die Regierung hat keine Kraft für eine Reform. Versicherer wollen das geförderte Produkt zwar retten, wenden sich gleichzeitig aber bereits ab. Kommt jetzt der Bürgerfonds?

Riesterrente, Bild: Adobe Stock/Stockwerk-Fotodesign

Werden die klassischen Riestertarife zum Auslaufmodell? Bild: Adobe Stock/Stockwerk-Fotodesign

Das wird nix mehr! Das Bundesfinanzministerium sitzt eine Reform der Riester-Rente aus. Behördenchef Olaf Scholz (SPD) ist hier federführend. Wenige Wochen vor der Bundestagswahl ist diese Prognose nicht besonders kühn. Dabei hat die schwarz-rote Koalition zugesagt, das Thema in dieser Legislaturperiode anzupacken. Auf Anfrage teilte die Pressestelle des Ministeriums mit, dass es „zur Zukunft der Riester-Rente noch sehr unterschiedliche Auffassungen und Vorschläge gibt.“

Unerfüllbare Garantie?

Damit ist auch ein Ende der bereits bei ihrer Einführung als „zu kompliziert, zu teuer und zu renditeschwach“ kritisierten Riester-Rente nicht mehr ausgeschlossen. „Wenn selbst bei der Absenkung der Garantieerfordernis nichts passiert, muss man vermuten, dass es Kräfte gibt, die die Riester-Rente bewusst schwächen wollen“, meint Jochen Ruß, Geschäftsführer des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften.

Seit zehn Jahren ist das Zinsniveau im Keller. Das hat vor allem die auf Versicherungen basierende Variante der Riester-Rente erst zu einem Ladenhüter und dann zu einem Problem auch für die Versicherer gemacht. Sie müssen es schaffen, zumindest die Beitragsgarantie zu erfüllen. Vor diesem Hintergrund agiert Berlin nach dem Motto: Soll doch die neue Regierung über ein zukunftsfähiges Konzept für die Förderung der privaten Altersvorsorge entscheiden, wir haben ja schließlich Neuerungen wie Mütterente, Grundrente und Rente mit 63 für langjährig Versicherte angepackt.

Bisher hat die Bundesregierung also oft an die älteren Jahrgänge gedacht. Jüngere Menschen und Erwerbstätige müssen wieder einmal abwarten. Dabei hat die Finanzbranche in den vergangenen Monaten nochmals auf den ihre Meinung nach akuten Reformbedarf der Riester-Rente mit ihrer Beitragsgarantie hingewiesen. „Die Bundesregierung muss auch ein adäquates Angebot für die künftigen Rentnergenerationen machen“, forderte zum Beispiel Peter Schwark, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Rechnungszins fast bei Null

Dramatisch ist die Lage, seit das Finanzministerium vor einigen Wochen bekannt gab, den Höchstrechnungszins für Lebensversicherungen und Pensionsfonds zum 1. Januar 2022 auf 0,25 Prozent abzusenken. Seit 2017 liegt er bei 0,9 Prozent. Eigentlich hatten Fachleute eine Absenkung des sogenannten Garantiezinses bereits zum 1. Januar 2021 erwartet; auf 0,5 Prozent, wie Ende 2019 von der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) vorgeschlagen. Doch bereits damals saß das Ministerium das Thema aus und legte keinen Gesetzentwurf vor, was sofort eine Debatte um eine Reform der Riester-Rente entzündet hätte. „Also blieb das Ministerium in Deckung“, ist zu hören.

Viele Versicherer aber mussten reagieren. Sie wenden bereits Rechnungszinssätze unterhalb des derzeitigen Höchstsatzes von 0,9 Prozent an. Laut dem Beratungsunternehmen Aon liegen viele Versicherer bereits bei den geplanten 0,25 Prozent oder sogar darunter. „Wir erwarten, dass es künftig so gut wie keine Tarifangebote mehr gegen wird, in denen eine hundertprozentige Beitragsgarantie enthalten ist“, betont Thorsten Teichmann, Partner und Mitglied der Geschäftsleitung bei Aon. Nur erwähnt werden soll, dass die betriebliche Altersvorsorge vor dem gleichen Problem steht.

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