„Riester-Rente abschaffen“: Protest in Berlin findet kaum Gehör

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Um das Ende der Riester-Ära einzuläuten, versammelten sich heute vor dem Bundeskanzleramt mehrere Verbraucherinitiativen. Die Aktion, zu der unter anderem BdV-Chef Axel Kleinlein aufgerufen hatte, konnte allerdings nur spärlich Publikum anziehen.

Berlin Bild: procontra/Anne Mareile Walter

Plakativer Aufmarsch in Berlin: Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten, Gerhard Schick von der Bürgerbewegung Finanzwende und Klaus Müller vom Verbraucherzentrale Bundesverband (v.l.). Bild: procontra/Anne Mareile Walter

Mit Stoff abgehängte, großformatige Plakatwände, das Kanzleramt als Kulisse – eine plakative Aktion, doch außer Presse und Vertretern aus den eigenen Reihen hatte sich kaum jemand zum heutigen Aufmarsch der Verbraucherinitiativen im Berliner Regierungsviertel eingefunden. Unter dem Motto „Stoppt die Riester-Rente“ bezogen Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten, Klaus Müller vom Verbraucherzentrale Bundesverband sowie Gerhard Schick von der Bürgerbewegung Finanzwende dort Stellung, um das Ende der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge einzuleiten. Mit dem Enthüllen der Plakatwände machten sie ihre Adressaten unmissverständlich klar: Unter den Tüchern verbargen sich die jeweils älter retuschierten Gesichter der drei Kanzlerkandidaten. „Die Riester-Rente muss abgeschafft werden, damit eine vernünftige Form der Altersvorsorge möglich ist“, sagte Axel Kleinlein in seiner Rede. Damit die Bürger nun ihre Unzufriedenheit mit den aktuellen Vorsorgeprodukten zum Ausdruck bringen können, startete das Verbraucher-Bündnis darüber hinaus eine entsprechende Petition im Netz.

Millionen Sparern drohe "ein böses Erwachen"

Hohe Kosten, unfaire Kalkulationen, Intransparenz – mit diesen drei Schlagworten brachte BdV-Vorstand Kleinlein seine Kritik auf den Punkt und nannte dafür ein Beispiel: „Wenn bei 8.500 Euro für die Altersvorsorge nach fünf Jahren knapp 3.000 Euro für die Kosten drauf gehen, dann ist daran etwas faul.“ Die Riester-Rente habe vor allem Versicherern, Banken und Vertrieb genutzt, doch für Verbraucher gehe die Rechnung nicht auf: Zu wenig Rendite, zu hohe Kosten, eine zu geringe Vorsorge fürs Alter. Millionen Sparern drohe bei Renteneintritt ein böses Erwachen, da ihre Vorsorge nicht ausreichend war. Hinzu komme: Die Riester-Rente würde Sparer dazu bringen, Kunden eines Lebensversicherungsunternehmens zu werden: „Dabei sind Lebensversicherungsunternehmen von alters her nicht dazu geeignet, gute Partner für die Altersvorsorge zu sein“, machte Kleinlein deutlich.

Gerhard Schick von der Bürgerbewegung Finanzwende schob den schwarzen Peter vor allem der Finanzlobby zu. Diese habe jegliche Grundsatzreform bei der Riester-Rente verhindert, habe Druck auf die Rentenpolitik ausgeübt, so dass die Interessen der Verbraucher in den Hintergrund geraten seien. Schicks Fazit gleicht dem des BdV-Vorstands: „Die Kosten sind hoch, die Renditen sind schlecht und trotzdem wurde Riester nicht abgeschafft.“ Aus seiner Sicht besonders skandalös: Im Koalitionsvertrag sei festgeschrieben, dass eine Riester-Reform nur im Dialog mit der Versicherungslobby erfolgen könne.

Verbraucher werden im Regen stehen gelassen

Dass die Verbraucher im Regen stehen, machte auch Klaus Müller vom Verbraucherzentrale Bundesverband noch einmal deutlich. Die von der Versicherungswirtschaft geforderten höheren Subventionen sowie eine Reduzierung der Garantieleistungen nütze den Sparer nicht. Nur ein Stopp der Riester-Rente könne die logische Konsequenz sein. „Ein neues Vorsorgeprodukt soll sich ab den Interessen der Bürger orientieren, renditestark und kostenarm sein“, sagte Müller.

Alternativen zur Riester-Rente sehen die drei Verbraucherorganisation beispielsweise in staatlich geförderten Investitionen in ETFs, Immobilien oder andere Versicherungsprodukte. „Altersvorsorge ist so individuell wie jeder einzelne Bürger“, meinte Axel Kleinlein.