Riesen-Goldmünze: Allianz muss mehr zahlen

Martin Thaler Versicherungen Panorama

Der Streit um die gestohlene Riesen-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum ist um ein Kapitel reicher: Die Allianz muss für 50 Prozent der Versicherungssumme aufkommen, befand das Berliner Kammergericht. Allerdings kann sich auch der Versicherer als Sieger fühlen.

Bode-Museum Bild: Pixabay/A_M_D_photos

Aus dem Berliner Bode-Museum wurde im März 2017 eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze gestohlen. Bild: Pixabay/A_M_D_photos

Die Allianz muss im Fall der im März 2017 aus dem Berliner Bode-Museum gestohlenen Riesen-Goldmünze „Big Maple Leaf“ tiefer in die Tasche greifen als gedacht. Der sechste Zivilsenat des Berliner Kammergerichts verurteilte (Az: 6 U 1015/20) die Münchener zur Zahlung weiterer 1,26 Millionen Euro – 840.000 Euro hat der Versicherer bereits zuvor an den Besitzer, den Immobilien-Unternehmer Boris Fuchsmann, gezahlt.  

Dennoch kann sich auch die Allianz als Sieger fühlen: Statt die gesamte Versicherungssumme in Höhe von 4,2 Millionen zahlen zu müssen, ist die Allianz laut aktuellem Urteil lediglich in der Leistungspflicht für knapp die Hälfte der Versicherungssumme.  

Grob fahrlässige Anzeigepflichtverletzung

So erkannte das Kammergericht, wie bereits zuvor die Vorinstanz, bei der Versicherungsnehmerin, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, eine grob fahrlässige Anzeigepflichtverletzung.  

So hatte es die Stiftung, zu der das Bode-Museum gehört, unterlassen, die Versicherung über eine Gefahrerhöhung zu informieren. Bereits im Jahr 2014 hatte es einen Defekt an einem Fenster in der Herrenumkleide des Museums gegeben. Dieser führte dazu, dass die elektronische Sicherheitsüberprüfung stets meldete, besagtes Fenster würde offen stehen. Um die Alarmanlage dennoch in Betrieb nehmen zu können, wurde das Fenster aus der Öffnungssicherung herausgenommen.  

Da sich unter dem Fenster ein Vorbau befand, über den Diebe besagtes Fenster erreichen konnten, habe sich nach Auffassung des Gerichts die Wahrscheinlichkeit für einen Einbruch erhöht – eine Gefahrerhöhung lag demnach vor. Diese war allerdings über einen Zeitraum von drei Jahren nicht angezeigt worden, obwohl die Stiftung hierzu aufgrund Paragraph 23 Absatz III VVG verpflichtet gewesen wäre – hierin erkannte das Kammergericht eine besonders grobe Verletzung der Anzeigepflicht.  

Kürzung um 50 Prozent angemessen

Nach Abwägung aller vorgetragenen Umstände hielt das Gericht eine Leistungskürzung von 50 Prozent allerdings für angemessen – die Allianz hatte zuvor 80 Prozent der Leistung gekürzt. Noch ist das Urteil allerdings nicht rechtskräftig: Die Allianz kann gegen die Nichtzulassung einer Revision noch innerhalb eines Monats Beschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen.  

Die 100 Kilogramm schwere Goldmünze bleibt weiter verschwunden. Razzien im Dezember vergangenen Jahres blieben erfolglos. Die Täter – zwei Männer, die dem bekannten Berliner Remmo-Clan zugeordnet werden und ein ehemaliger Wachmann des Museums – wurden mittlerweile zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.