Kein Schmerzensgeld bei Sturz in Biberloch

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Der Biber ist zurück in Deutschland und mit ihm auch seine Hinterlassenschaften. Ein vom Nager gegrabenes Loch sorgte vor dem OLG Nürnberg nun für einen Streit um Schmerzensgeld.

Biber Bild: Pixabay/SteveRaubenstine

Ein Biberloch war die Ursache für einen Streit um Schmerzensgeld vor dem OLG Nürnberg. Bild: Pixabay/SteveRaubenstine

Einst galt der Biber in Deutschland weitestgehend als ausgerottet – mittlerweile wird der Bestand des Nagers zwischen Alpen und Nordsee wieder auf rund 14.000 Tiere geschätzt. Mit dem Biber kehren aber auch dessen Begleiterscheinungen zurück, wie eine fränkische Wanderin schmerzhaft erfahren musste.

Was war passiert?  

Beim Gassi-Gehen um den Wöhrder See, einem Stausee in Nürnberg, war die Hundebesitzerin in ein Erdloch gestürzt – gegraben von einem Biber. Beim Sturz verletzte sich die Frau an ihrem linken oberen Sprunggelenk. Von der Stadt Nürnberg verlangte sie im Anschluss ein Schmerzensgeld in Höhe von 5.500 Euro – schließlich habe es diese verpasst, die notwendigen Schutzmaßnahmen zu ergreifen.  

Die Stadt Nürnberg wies diesen Vorwurf zurück. Durch Schilder vor Ort würden Passanten darauf hingewiesen, dass vor Ort Biber leben würden, sowie über die von diesen ausgehenden Gefahren hingewiesen. Weitere Schutzmaßnahmen hätten aufgrund des Bundesnaturschutzgesetzes nicht getroffen werden dürfen. Nachdem bereits das Landgericht Nürnberg-Fürth die Klage der Hundebesitzerin negativ beschieden hatte, landete der Fall vor dem Nürnberger Oberlandesgericht (Az: 4 W 362/21).  

Das Urteil  

Das OLG bestätigte die Entscheidung seiner Vorinstanz. Bei der Sturzstelle handele es sich um ein Landschaftsschutzgebiet und damit Teil der freien Landschaft. Deren Betretung sei zum Zwecke der Erholung zwar zulässig, erfolge aber eigene Gefahr. Demzufolge gebe es keine Haftung für typische, sich aus der Natur ergebende Gefahren.  

Mit einem Biberloch habe die Hundebesitzerin rechnen können – schließlich seien diese in Biberrevieren in der Nähe von Flüssen keineswegs unüblich. Dass es sich beim Wöhrder See um ein Biberrevier handele sei bekannt – nicht zuletzt würden die Schilder vor Ort darauf hinweisen.  

Die Stadt müsse folglich kein Schmerzensgeld zahlen, lautete die Entscheidung des Gerichts.

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