Informationsdefizit Altersvorsorge: Die Rentenhöhe als große Unbekannte

Anne Mareile Walter Versicherungen Berater

Mit einer Themenwoche befeuert der GDV die aktuell hitzig geführten Debatten um die Altersvorsorge. Vorab ging er mit einer Umfrage dem Thema auf den Grund. Nur wenige Deutsche wissen demnach, was sie finanziell im Rentenalter erwartet.

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Wie groß die finanziellen Sprünge im Alter tatsächlich ausfallen können, wissen aktuell nur wenige Menschen. Ob die Rente reicht, lässt sich oft nur schwer einschätzen. Bild: Adobe Stock/EpicStockMedia

Eine angeschlagene Riester-Rente, weitgehende Unklarheit über mögliche staatlich geförderte Alternativen und eine insgesamt schwindende finanzielle Sicherheit im Alter – die Altersvorsorge gehört zu den heiß diskutierten Wahlkampf-Themen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) springt mit einer Themenwoche auf diesen Zug auf. Unter dem Motto „Neustart für die Altersvorsorge“ laufen auf Twitter und via Web-Livestream Diskussionsrunden mit Politikern und Experten. Im Vorfeld der Veranstaltungsreihe führte der GDV in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey unter 2.500 Teilnehmern eine Umfrage zur Altersvorsorge durch. Das Ergebnis: Einer Mehrheit der Deutschen bereitet die finanzielle Absicherung im Alter Sorgen – dabei können viele nicht abschätzen, ob ihre Rente im Alter reichen wird.

Rentenlücke sollte bekannt sein

Dieses Informationsdefizit zieht zwangsläufig Probleme nach sich. „Nur wer seine Rentenlücke kennt, kann passgenau vorsorgen“, machte GDV- Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen deutlich. Mit digitalen Lösungen würde man einen großen Schritt weiterkommen. „Das gilt sowohl für die kommende digitale Rentenübersicht als auch innovative, digitale Versicherungsangebote bei der Altersvorsorge“, sagte er. Für Herbst 2023 ist der Start der vom Bund geplanten digitalen Rentenübersicht geplant, die einen Gesamtüberblick über die erreichten und erreichbaren Ansprüche aus gesetzlicher und betrieblicher sowie privater Vorsorge bieten soll.

Bedarf nach einer solchen Übersicht scheint vorhanden zu sein. So prognostizieren nur 42 Prozent der Männer und 32 Prozent der Frauen für sich einen finanziell sorgenfreien Ruhestand, 53 Prozent aller Befragten machen sich hingegen Sorgen. Hinzu kommt: Mehr als ein Drittel der Befragten kann nicht oder nur vage einschätzen, wie hoch das individuelle Einkommen im Alter ausfallen wird. Dementsprechend wissen rund 20 Prozent nicht, wie viel Geld ihnen im Ruhestand monatlich zur Wunschrente fehlen wird. 60 Prozent befürchten eine erhebliche Differenz von mindestens 250 Euro und knapp ein Drittel schätzt die persönliche Rentenlücke sogar auf 750 Euro pro Monat. Nur 17 Prozent gehen davon aus, dass ihnen im Alter kein Geld fehlen wird.

Betriebsrente bietet Potenzial

Auch das Thema der privaten Altersvorsorge ist längst nicht bei allen Befragten fester Bestandteil der Finanzplanung: 20 Prozent der Umfrageteilnehmer verfügen neben ihrer gesetzlichen Rente oder Pension über keine zusätzliche Altersvorsorge. Diejenigen, die vorsorgen, setzen dabei am häufigsten auf eine Immobilie (37 Prozent). 30 Prozent vertrauen ihre Ersparnisse einem Aktien- oder Rentenfonds an, 28 Prozent schlossen eine Betriebsrente ab. Für Letzteres entschieden sich vor allem die älteren Beschäftigten zwischen 50 und 64 Jahren. Für GDV-Hauptgeschäftsführer Asmussen steckt in der Betriebsrente ein unausgeschöpftes Potenzial. „Einerseits ist es gut, dass deutlich mehr als ein Viertel die Vorteile des ‚Hidden Champion‘ betriebliche Altersversorgung nutzt“, sagte er, fügte aber hinzu: „Andererseits machen die Zahlen deutlich: Für eine größere Verbreitung braucht es unverändert mehr Impulse, um die Betriebsrenten auch für kleinere und mittlere Unternehmen attraktiv zu machen.“

Auf die sich im Reformstau befindende und merklich kränkelnde Riester-Rente setzt mehr als ein Fünftel der Befragten: 22 Prozent haben einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. 23 Prozent entschlossen sich stattdessen für eine Lebensversicherung. Nach einer kürzlichen Erhebung des Zweitmarkthändlers Policen Direkt ist das Vertrauen der Deutschen in diese Form der Vorsorge ungebrochen. Trotz Niedrigzinsen, der Kritik um hohe Abschlusskosten und der politischen Diskussion um einen Provisionsdeckel lief das Lebensversicherungsgeschäft zuletzt gut: Im Coronjahr 2020 lagen die Beitragseinnahmen der Versicherer mit 98,50 Milliarden Euro noch über denen des Rekordjahres 2019, in dem 98,10 Milliarden erwirtschaftet wurden.