In diesen Bundesländern sorgten Unwetter am häufigsten für Schäden

Martin Thaler Berater Versicherungen

Im vergangenen Jahr verursachten Unwetter weit geringere Schäden an Autos und Häusern als prognostiziert. Bei der Schadenhäufigkeit gab es jedoch große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern.

Unwetterschäden Bild: Pixabay/Comfreak

Im vergangenen Jahr sorgten Unwetter für weit geringere Schäden als zuvor prognostiziert. Bild: Pixabay/Comfreak

Nichts ging mehr: Als am 10. Februar vergangenen Jahres Orkantief Sabine über das Land zog, herrschte am Boden weitgehend Stillstand. Die Deutsche Bahn stellte im gesamten Land den Zugverkehr ein, Flugzeuge blieben am Boden und Fußball-Fans mussten unverrichteter Dinge wieder umkehren, nachdem das Rheinderby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach abgesagt wurde. Mit insgesamt 540.000 bei den Versicherern gemeldeten Schäden und einer Schadenshöhe von 675 Millionen Euro war „Sabine“ der siebtschwerste Wintersturm seit 2002.  

Doch trotz des heftigen Orkans zum Jahresbeginn kamen die Versicherer 2020 sehr glimpflich davon, wenn es um Unwetterschäden ging. Gerade einmal 1,95 Milliarden zahlten Sach- und Kfz-Versicherer an ihre Kunden – ursprünglich war die Branche von einer Schadenhöhe von 3,8 Milliarden Euro ausgegangen. 1,6 Milliarden Euro entfielen dabei auf die Sachversicherung, die restlichen 350 Millionen auf die Kfz-Versicherung.  

Unterdurchschnittliches Naturgefahrenjahr

„2020 war erfreulicherweise ein deutlich unterdurchschnittliches Naturgefahrenjahr. Das lag vor allem daran, dass schwere Hagelereignisse und im Herbst schwere Stürme ausgeblieben sind“, sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.  

Die höchsten Schäden entfielen wenig überraschend auf die einwohnerstärksten Bundesländer Nordrhein-Westfalen (Gesamtschadenhöhe: 422 Millionen), Bayern (415), Baden-Württemberg (293) und Niedersachsen (239). Gering fielen die Schäden dagegen in Hamburg (25), Mecklenburg-Vorpommern (20), Berlin (11) und Bremen (6) aus.  

Wenn es um die Schadenhäufigkeit geht, liegt jedoch das kleine Saarland deutlich an der Spitze: Auf 1.000 Verträge kamen hier knapp 55 Sturm- und Hagelschäden – 2019 waren es noch 51,2 gewesen. Relativ hoch ist die Schadenhäufigkeit auch in Nordrhein-Westfalen (31,1), Niedersachsen (29,9) und Rheinland-Pfalz (29,4). Vergleichsweise schadlos kamen die Menschen im Osten davon: In Mecklenburg-Vorpommern (13,6), Brandenburg (12,1) und Berlin (3,4) war die Schadenhäufigkeit am geringsten.  

Interessant ist auch die Verteilung im Blick auf die Elementarschäden: Hier lag im vergangenen Jahr Niedersachsen an der Spitze, wo auf 1.000 Verträge insgesamt 5,7 und damit mehr Schäden als im Vorjahr (4,0) kamen. Auch in weiteren fünf Bundesländern stieg die Schadenhäufigkeit, in den übrigen zehn Ländern ging sie zurück. Insgesamt 300 Millionen Euro an Versicherungsleistungen entfielen im vergangenen Jahr auf die Elementarversicherung.  

10 Millionen Häuser ohne Elementarschutz

Insbesondere hier dürfte der tatsächliche Schaden weitaus höher liegen: Denn während fast alle Hausbesitzer über eine Wohngebäudeversicherung verfügen, fehlt bei gut zehn Millionen Immobilien immer noch der Elementarschutz. Lediglich 46 Prozent der Hausbesitzer bundesweit verfügen über eine Elementarversicherung. Am häufigsten ist der Elementarschutz – historisch bedingt – in Baden-Württemberg verbreitet (94 Prozent aller Hausbesitzer), es folgen Thüringen (49), Sachsen (48) und Nordrhein-Westfalen (47). Deutlich Nachbesserungsbedarf besteht vor allem in Bremen (23), Niedersachsen (25) und Hamburg (27).