"Heute Show" schießt gegen Riester-Rente

Martin Thaler Berater Panorama Top News

Die Versicherungsindustrie ist für die Satiriker des ZDF derzeit ein beliebtes Opfer. Anlass für Comedy-Kritik bot dieses Mal ausnahmsweise nicht die Betriebsschließungsversicherung, sondern die Riester-Rente.

Spott gegen Versicherer Bild: Adobe Stock/Dan Race

Die Versicherer liefern aus Sicht der "Heute Show" mal wieder reichlich Grund für Spott und Häme. Bild: Adobe Stock/Dan Race

Neben Verkehrsminister Andreas Scheuer scheinen die Macher der „heute show“ ein neues Lieblingsopfer gefunden zu haben – die Versicherer. Nachdem das Satire-Flagschiff des ZDF die Branche im vergangenen Jahre bereits zweimal im Streit um die Betriebsschließungsversicherung humoristisch aufs Korn genommen hatte, folgte am vergangenen Freitag der nächste Streich. Anlass bot der jüngst begangene 20. Geburtstag der Riester-Rente. „Gratulanten gab es keine, dafür diese Demo vor dem Kanzleramt“, begann Moderator Oliver Welke seine Spott-Arie mit einem Verweis auf den Protest verschiedener Verbraucherschutzgruppen, unter ihnen der Bund der Versicherten und die Bürgerbewegung Finanzwende.

Danach folgte Spitze um Spitze: Die von den Verbraucherschützern geforderte Beerdigung beurteilte Welke als „gute Idee“, die von den Versicherern erhobenen Gebühren bezeichnete der Moderator als „viel zu hoch“, die Verwaltungskosten gar als „horrend“. Letztendlich sei die Riester-Rente „total komplizierter, unrentabler Quatsch“, frotzelte Welke – schließlich würde durchschnittlich jeder vierte investierte Euro gar nicht in der eigenen Altersvorsorge landen.  

Flexibilisierte Garantien = Knalleridee

Dass die Versicherer ein Kostenproblem haben, ist kein Geheimnis und wird seitens der Versicherer mittlerweile auch eingeräumt. Allerdings kann diesen nicht allein der schwarze Peter zugeschoben werden – auch die komplizierten Fördermechanismen tragen beispielsweise ihren Teil dazu bei. Dies bleibt bei der „heute show“ allerdings unerwähnt – stattdessen wird sich an den Reform-Ideen der Versicherer abgearbeitet. So sei die – laut übereinstimmenden Aussagen vieler Experten dringend gebotene – Flexibilisierung der 100-Prozent-Garantie eine „Knalleridee“, ulkt Welke und verweist darauf, dass die Union den Vorschlag der Versicherer praktisch eins zu eins in ihr Konzept übernommen hat. Wer will, kann in diesem Seitenhieb durchaus Anspielungen auf die Lobbyismus-Vorwürfe von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz erkennen, die in der Branche hohe Wellen schlugen.  

Doch zurück zur von der Politik seit Jahren angekündigten Reform – eine solche hält Welke für nicht zielführend. „Wenn das Pferd tot ist, steig ab“, heißt es vom Moderator hierzu lakonisch. Statt den toten Gaul weiterzureiten, solle die Politik endlich auf ein kostengünstiges, transparentes Produkt setzen, so Welke. Und dies ist nach Auffassung des Satirikers ein Staatsfonds – Schweden lässt hier mal wieder grüßen. Dieser würde nämlich ausschließlich Rendite für die Anleger erwirtschaften und sei nicht auf eigene Gewinne aus, teilt Welke den nächsten Seitenhieb gegen die Versicherer aus.  

Dass ein solcher sogar weniger Garantien als eine reformierte Riester-Rente bieten würde, bleibt unerwähnt. Geschenkt: Satire bedient sich nun einmal häufiger des Holzhammers und seltener des Skalpells.  

Grund zum Nachdenken

Dennoch liefert der Satire-Beitrag Grund zum Nachdenken. Dass das Image der Versicherer schon seit jeher ausbaufähig war, ist keine Neuigkeit. Derzeit scheint es jedoch auf einem neuen Tiefpunkt angelangt zu sein: Auch wenn die Zahl der konkreten Beschwerden gegen die Versicherer weiterhin niedrig ist, scheint das Vertrauen bei immer größeren Teilen der Politik zu schwinden, wie Aussagen in der Vergangenheit deutlich machen. Für die nahe Zukunft, in der es um die Stellung wichtiger Weichen – genannt seien hier nur einmal die Bürgerversicherung, die Diskussion um einen Provisionsdeckel in der Lebensversicherung und die Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland – geht, könnte dieser Vertrauensschwund letztlich dazu führen, dass die Sorgen der Branche immer seltener Gehör finden. Dabei waren private Vorsorge und Finanzberatung noch nie so wichtig wie heute.